Wenn Du mich wirklich lieben würdest, würdest Du mir häufiger Blumen mitbringen – Wie willkürliche Bedeutungsgebungen uns das Leben versauen

Wenn Du mich wirklich lieben würdest, würdest Du mir häufiger Blumen mitbringen – Wie willkürliche Bedeutungsgebungen uns das Leben versauen

Das Grundmuster ist ebenso einfach wie verheerend: A bedeutet B.

Sowas nennt der geneigte NLP-Facharbeiter eine "komplexe Äquivalenz" und ordnet sie im Milton-Modell, einem zentralen Baustein des NLP, der Gruppe der "semantischen Fehlgeformtheiten" zu. Musst Du Dir aber nicht merken.

Für Dich ist eher wichtig, diese Biester zu erkennen, wenn sie Dein Leben negativ beeinflussen. Das tun sie auf zwei Arten.

  1. Als Bestandteil unserer einschränkenden Glaubenssätze über uns, die anderen, das Leben, usw.
  2. In der Kommunikation zwischen uns und anderen

Als Bestandteil von Glaubenssätzen

Als Bestandteil unserer einschränkenden Glaubenssätze und Vorannahmen limitieren sie unsere Möglichkeiten und verhageln uns die Laune:.

  • "Er hat mich immer noch nicht zurückgerufen. Er interessiert sich bestimmt nicht mehr für mich."
  • "Nie hat sie Zeit für mich. Immer geht die Arbeit vor. Ich bin halt nicht wichtig für sie."
  • "Dass ich immer noch keinen richtigen Erfolg im Leben habe, bedeutet, dass ich wohl auch keinen haben soll. Es ist einfach nicht für mich vorgesehen."
  • "Ich soll morgen früh ins Büro des Chefs kommen. Oh Gott, ich werde bestimmt gefeuert!"
  • "Mein Mann kommt jeden Tag zu spät von der Arbeit. Er vögelt garantiert seine Sekretärin."

In der zwischenmenschlichen Kommunikation

In der zwischenmenschlichen Kommunikation deuten komplexe Äquivalenzen in das Verhalten unseres Gegenübers Absichten hinein, die dieser zwar haben kann, aber bei weitem nicht haben muss. Sie bringen das Gegenüber in eine Rechtfertigungsposition. Wenn der andere nicht weiß, wie man richtig damit umgeht, muss er erstmal "beweisen", dass es nicht so ist, wie ihm unterstellt wird.

Genau das sind komplexe Äquivalenzen in der Kommunikation: Unterstellungen.

Sie können auch als Machtinstrument missbraucht werden. Indem ich dem anderen ständig die übelsten Absichten unterstelle, zementiere ich ihm die Füße in einer Position, in der er sich kontinuierlich abstrampeln und anstrengen muss, um mir zu beweisen, dass er doch nicht so schlecht ist, wie ich ihm unterstelle.

Aus Sicht des emotionalen Erpressers gar nicht so doof, oder? Wobei nicht jeder, der komplexe Äquivalenzen in der Kommunikation verwendet, immer Böses im Sinn haben muss. Geschweige denn sich immer voll bewusst ist, was er da tut, welche Wirkung es hat und warum er es macht. Oft ist es einfach ein unbewusst übernommenes Muster. Das ändert jedoch nichts an der Wirkung.

  • "Wenn du am Wochenende lieber mit deinen Jungs zum Fußball gehst, weiß ich ja, wo ich bei dir stehe."
  • "Wenn du mich wirklich lieben würdest, hättest du mir nie so weh getan."
  • "Wenn ich euch Kindern wichtig wäre, würdet ihr mich ja mal besuchen kommen."
  • "Wenn sie nicht bereit sind, Überstunden zu machen, fange ich langsam an zu glauben, sie wollen hier gar nicht Führungskraft sein."
  • "Du schreibst doch mit ner Anderen. Ich sehe doch, dass du den ganzen Abend online warst. Mit mir hast du jedenfalls nicht geschrieben. Wie heißt die Schlampe?"

Wie Du ihnen auf die Schliche kommst

Komplexe Äquivalenzen sind Axiome - nicht beweisbare, aber mehr oder weniger plausibel klingende Vorannahmen. Es gibt sie nicht nur in negativer Form. "Dass heute morgen die Sonne scheint bedeutet, dass es nur ein guter Tag werden kann." ist auch eine komplexe Äquivalenz und richtet - sofern es wirklich ein guter Tag wird - sicher deutlich weniger Schaden an. Aber die positiven Formen sollen uns hier für den Moment erstmal nicht weiter interessieren.

Komplexen Äquivalenzen auf die Spur zu kommen oder sie im Gespräch auszuhebeln, ist eigentlich ziemlich einfach. Hierzu eignen sich alle Fragen, die die Tiefenstruktur des Glaubenssatzes oder der Aussage hinterfragen:

  • "Was genau lässt dich glauben, dass ich später von der Arbeit komme, würde bedeuten, dass ich dir aus dem Weg gehe?"
  • "Was veranlasst dich zu denken, ich würde dich nicht lieben, nur weil ich selten Blumen mitbringe. Drücke ich meine Liebe nicht auf viele andere Arten aus?"

Am besten klappt es, wenn Du noch ein oder zwei alternative Bedeutungen hinzu packst:

  • "Warum bin ich mir eigentlich so sicher, mein Chef würde mich feuern wollen, wenn ich morgen in seinem Büro bin? Wäre es nicht genauso gut möglich, dass er nur ein Projekt besprechen oder mich sogar für eine Beförderung vorschlagen möchte?"

Eng verwandt mit den komplexen Äquivalenzen sind übrigens die so genannten "Kausal-Nexi". Hier ist das Grundmuster nicht A bedeutet B sondern A bewirkt B:

  • "Wenn Du mich so ansiehst, macht mich das ganz traurig."

Traurig machen muss ich mich schon selbst, das nimmt mir keiner ab. Aber es kann ja durchaus auch mal Vorteile haben, scheinbar! alle Macht an den anderen abzugeben. Da wären wir dann beim Sekundärgewinn von bestimmten Kommunikationsmustern, zum Beispiel bei emotionaler Erpressung.

Aber natürlich ist nicht jeder, der Macht an andere abgibt, dadurch automatisch ein emotionaler Erpresser. Im Gegenteil. Viele Menschen, die komplexe Äquivalenzen oder Kausal-Nexi in der oben genannten Form anwenden, tun dies meist vollkommen unbewusst und häufig aus einer tiefen Verunsicherung heraus und nicht mit dem direkten Ziel, andere zu manipulieren.

Bei emotionaler Erpressung wird die Macht ja auch nur scheinbar an den anderen abgegeben, um ihn dadurch zum gewünschten Verhalten zu veranlassen. Aber das ist ein anderes Thema und an dieser Stelle möchte ich es aber lieber simpel halten.

Komplexe Äquivalenzen und Kausal-Nexi lassen sich übrigens beides auch wunderbar kombinieren:

"Wenn Du diesen Blogartikel fleißig weiter empfiehlst, bedeutet das (komplexe Äquivalenz), dass Du ein absoluter Premium-VIP-Mega-Fan meiner Seite bist und bewirkt (Kausal-Nexus), dass ich mit einem breiten Lächeln durch meinen Tag laufe und mit diesem Lächeln auch andere anstecke. Du trägst damit dazu bei, dass die Welt ein bisschen besser wird (2. Kausal-Nexus)."

Danke im Voraus schon mal dafür. 😉

3 KOMMENTARE

  1. Hallo Herr Gauger,

    beim Lesen taten sich mir Fragen auf: Und was, wenn mir die Erfahrung zeigte, dass es in – den meisten Fällen – auch so war?
    „Keine Zeit“ ist z.B. eine sehr häufig benutzte Ausrede. Zeit ist doch lediglich der Hinweis auf Prioritäten. Also ist demjenigen „anderes wichtiger“. Er oder sie bevorzugen… zu arbeiten, Geld zu verdienen, den Chef zufrieden zu stellen, die Kollegen, oder haben daran schlicht mehr Spaß. Sagt doch dann aber vieles über meinen Stand und die (momentane) Bedeutung.
    Es versaut mir doch nicht mein Leben, wenn ich meine eigenen Aktivitäten dann danach ausrichte, im Gegenteil. Ich erspare mir sogar manches. 😉 Mehr Zeit für mich selber und das, was mir Freude bereitet.
    Oder habe ich bei Ihrem Artikel etwas nicht verstanden?

    Herzliche Grüße!

    • Hallo Herr / Frau …?

      Das ist nicht ganz falsch. Im Grunde geht es darum, dass man sich in dem Moment bewusst ist, dass man Kausalnexi bzw. komplexe Äquivalenzen verwendet, die der Wirklichkeit entsprechen können, aber nicht müssen und dass unsere Reaktion darauf von unserer Wahrnehmung und Bedeutungsgebung abhängt und nicht davon, wie die Dinge wirklich sind. Oder frei nach den Belehrungen des Buddha: Es macht einen großen Unterschied, ob wir glauben zu wissen, oder wissen, dass wir nur glauben. 😉

      Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,
      Andreas

      • Danke für die Erläuterung, Herr Gauger!
        Dann relativiert sich im Kopf auch manche Dramatik, wenn ich daran denke, so war jetzt mein erster Eindruck,

        Herzliche Grüße
        Ruth

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