Für wen sollen wir immer besser werden?

Aphorismen

Gerade bin ich über den Werbespot einer „revolutionären“ (einfach nur eine gute würde in dem heutigen Überangebot an allem ja auch keine Aufmerksamkeit bekommen) neuen Lernmethode gestolpert. In dem gut gemachten Spot schwärmen die Teilnehmer eines Seminars darüber, wie stark die darin vermittelten Techniken ihr Leben bereichert hätten, da sie jetzt noch mehr in noch kürzerer Zeit lernen und so beruflich noch schneller voran kommen könnten. Da bin ich aufmerksam geworden.

Ich habe keine Zweifel daran, dass dieses Seminar hält, was es verspricht. Aber ich frage mich, was für eine Kultur hinter dem unreflektierten Verlangen steckt, immer noch mehr in noch weniger Zeit zu erreichen. Alles bis in den letzten Winkel durchzuoptimieren und auch noch das letzte bisschen Ineffizienz (und Leben) aus uns herauszupressen.

Die Anforderungen, die an unser „Funktionieren“ gestellt werden, sind so unerfüllbar geworden, dass es nur noch mit höchster Optimierung unserer Leistungsfähigkeit zu klappen scheint. Aber dieser Trend ist ebenfalls schon so weit überdehnt, dass wir damit höchstens noch Stellen hinter dem Komma verschieben können. Und auch das nur unter immer größeren Anstrengungen.

Eine Kultur, die das Wachstum anbetet, weil ein auf verzinstem Spielgeld und Quartalszahlen von Aktienunternehmen basierendes Wirtschaftssystem nun mal Wachstum braucht, um seinen babylonischen Turm immer weiter in die Höhe zu bauen. Wie sehr dieser Turm bereits jetzt schon schwankt, spüren mittlerweile die meisten von uns.

Es ist eine Kultur, die immer auf der Flucht vor dem Augenblick ist und mit einem Auge ängstlich, mit dem anderen hoffnungsvoll auf die Zukunft schaut und sich in der Erlösungsphantasie ergeht, morgen werde schon alles besser werden.

Immer mehr wollen aussteigen. Sie erkennen, dass für morgen zu leben das Gestern zerstört hat, das Heute zerstört und das Morgen zerstören wird. Wunderst Du Dich auch, warum Dein Leben sich manchmal von innen hohl anfühlt?

Aber wie steigt man aus?

Es beginnt im Kopf. Nimm wahr, wie sehr Deine Gedanken sich verselbstständigt haben. Wie viel mehr wir mit der nur in unserem Kopf existierenden Welt umgehen und wie wenig wir von dem mitbekommen, was wirklich da ist. Wenn Du Glück hast oder hartnäckig dran bleibst, schaffst Du es mit der Zeit, Dir kleine Inseln der Stille im Kopf zurückzuerobern.

Wenn ich das tue, erschrecke ich mich oft, wie krankmachend der permanente Lärm um nichts in meinem Kopf ist und wie wohltuend die Stille.

Diese Stille braucht kein Wachstum. Es fehlt nichts. Dem Moment, wie er ist, fehlt nichts. Er ist vollkommen. Warum lassen wir ihn nicht einfach sein, was er ist?

Die innere Gelassenheit, die dadurch in Dein Leben kommt, gibt Dir mehr, als all der kurzfristige berufliche Erfolg und der ganze glitzernde Nonsens, den wir damit shoppen (sollen), Dir je geben könnte.

Und Du brauchst nichts dafür zu tun. Du musst lediglich damit aufhören, nicht da zu sein, wo Du bist. Denn dort, wo Du bist, beginnt und endet alles. Egal, was sie Dir anderes darüber erzählen wollen.

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