Wie Du Deinen Traum vom Leben sich selbst erschaffen lässt

Sein-Tun-Haben

Tack… Tack… Tack.

»Wenn dieser wulstige Büffel noch einmal mit seinem Kuli auf den Tisch hämmert, dann ramm ich ihm selbigen in seinen viel zu behaarten Nacken!« Bei diesem Gedanken zeigte Maries Zornesfalte eine für sie ungewöhnliche Härte, die in den letzten Wochen erst unmerklich, dann in einer steil ansteigenden Kurve zugenommen hatte. Ihr Blick erinnerte an ein Insekt, das jeden Moment zubeißen wird und war auf Olafs Rückenpartie gerichtet, die sich etwa zwei Meter am Arbeitsplatz vor ihr befand. Warum nur konnte man den Monitor nicht so schieben, dass Olaf für sie nur noch aus den ätzenden Geräuschen bestand, die anscheinend untrennbar zu ihm gehörten?

Doch Olaf war nicht das eigentliche Problem und das wusste Marie. Er war das kleine bisschen Zuviel, das ihr den Rest gab. »Ich muss kündigen. Morgen kündige ich. Morgen! Sonst begehe ich einen Mord.« Dieser Gedanke schmeckte bittersüß. Ja, kündigen. Endlich eigene Wege gehen. Die wertvolle Zeit mit sinnvollen Dingen verbringen. Kein Olaf, kein Tack… Tack… Tack. Kein beschissener Monitor.

»Drecksladen!« dachte Marie und erschrak für einen kaum merklichen Moment vor sich selbst. Darüber, wie sehr sie sich in letzter Zeit von allem entfernt hatte, was sie eigentlich ausmacht. Was war aus der stets freundlichen und lebenslustigen Mittdreißigerin geworden, als die sie hier vor drei Jahren angefangen hatte? Marie wischte den Gedanken beiseite.

Es war ja nicht so, dass sie nicht wüsste, was sie machen will. »Was mit Pflanzen und in der Natur. Bienchen, Blümchen, Schmetterlinge, Singvögel. Dinge, die einem das Herz aufgehen und dich spüren lassen, dass du lebendig bist.«

Aber ihre Realität waren Rechnungen. Da waren überall Rechnungen. Ständig Rechnungen. Wie soll das gehen? Eine Gärtnerei oder ein Blumenladen? Ohne Eigenkapital, ohne Ausbildung! Der Zug war abgefahren. Marie war realistisch genug, um einschätzen zu können, wie lange sie mit so einem Vorhaben wirtschaftlich durchhalten würde, bis sie wie ungezählte andere in der Privatinsolvenz landen würde. Ungezählten anderen, die auch mal eben versucht haben, ihren Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen.

Was ihr blieb, waren Rechnungen, ein beschissener Monitor und Tack… Tack… Tack.

»Ich bring ihn um!«

So wie Marie geht es vielen Menschen. Wir haben eine ungefähre Vorstellung davon, wo wir gerne hin wollen aber keine Ahnung, wie wir dorthin gelangen sollen. Manche haben nicht so viel Glück. Sie wissen nicht einmal wirklich, wohin sie wollen. Ihnen ist nur mit jeder Faser ihrer Seele schmerzlich bewusst, dass dort, wo sie jetzt sind, nicht ihr Platz sein kann.

Dem Leben die Form aufzwingen: Das alte Paradigma von Tun-Haben-Sein

Maries Überlegungen, einfach mal keine Gärtnerei aus dem Nichts zu eröffnen, sind vernünftig. Solche Vorhaben sind selten von Erfolg gekrönt und falls doch einmal am Ende alles gut ausgehen sollte, was selten genug der Fall ist, war der Weg dorthin oft von einer Menge Kampf und ebenso viel Glück geprägt.

Bei dieser Vorgehensweise starten wir mit einer mehr oder weniger vagen Vorstellung von dem, was wir gerne TUN wollen und versuchen dann, LOGISCHE Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Wir bemühen uns, eine äußere Form zu erschaffen. Wir wollen direkt auf die Außenwelt einwirken, sie verändern. Das ist uns zwar bis zu einem gewissen Grad gegeben, doch verhält sich die äußere Welt erfahrungsgemäß dabei äußerst träge und lässt sich meist nur unter großem Aufwand bewegen. Häufig geht uns die Luft aus, bevor wir irgendetwas Nennenswertes erreicht haben.

Es kann sich anfühlen, als versuchten wir den Schatten eines Baumes an der Wand zu bewegen, indem wir gegen den Schatten drücken. Aus diesem Denken heraus entsteht die vielen bekannte Ernüchterung in Bezug auf die Verwirklichung unserer Träume. Hier ist unsere Realität ein permanentes

„Ich würde ja gerne, aber wie soll ich denn in meiner Situation? Ich kann doch nicht…, ich muss doch…!“

Kommt Dir bekannt vor?

Das Leben die Form selbst erschaffen lassen: Das neue Paradigma von SEIN-TUN-HABEN

Doch was wäre, wenn wir die Sache ganz anders angehen würden? Wenn wir nicht so sehr aufs gewünschte Ergebnis und darauf, was wir vermeintlich TUN müssten schauen, sondern uns dem Prozess überlassen würden?

Bei der wunderbaren Geschichte* „Momo und die grauen Männer“ von Michael Ende bringt es die Figur Beppo der Straßenkehrer eindrücklich auf den Punkt:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:

„Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“

Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:

„Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:

„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

Er nickte vor sich hin und sagte abschließend:

„Das ist wichtig.“

Neale Donald Walsh, der Autor der Buchreihe „Gespräche mit Gott“, drückt es so aus: „Übersetzen Sie den von Ihnen bestimmten Sinn vom Tun ins Sein“* und „Lassen Sie die Form sich selbst erschaffen“*.

Immer einen Schritt nach dem Anderen

»Schnee fällt.
Jede Flocke an ihren Platz.«
Zen-Spruch

Was bedeutet das konkret fürs Maries Wunsch, ein Leben mit mehr Sinn, Bedeutung und Erfüllung zu führen? Und was bedeutet es für uns?

Denk an Beppo. Du musst nicht die ganze Straße auf einmal kehren. Immer einen Besenstrich nach dem anderen. Die Frage ist nicht so sehr, was Du tust als vielmehr:

»Wer bist Du, während Du tust,
was auch immer Du tust?«

Überlege Dir, was Du gerne in Deinem Leben machen möchtest und dann übersetze dieses Tun in einen Seinszustand. Versuche ab jetzt, möglichst viel Zeit in diesem Seinszustand zu verbringen. Dein Tun wird ganz natürlich aus diesem Zustand fließen. Du musst Dir keine Gedanken mehr darüber machen, was zu tun ist, um dorthin zu gelangen, wohin Du möchtest.

Lass Deine Handlungen eine natürliche Folge Deines Seins sein und überlasse es dem Leben, Moment an Moment, Puzzlestück an Puzzlestück, zu reihen und so das wunderbare Bild Deines einzigartigen Lebens entstehen zu lassen. Dein Job ist nicht das große Ganze im Voraus zu wissen, sondern nur das jeweils Nächstliegende zu tun. Und dann wieder das Nächstliegende. Und dann wieder.

Eine Aneinanderreihung sinnvoll gelebter Augenblicke, die sich von selbst organisieren und eine einzigartige Form erschaffen. Vielleicht stehst Du am Ende wirklich mit Deiner persönlichen „Gärtnerei“ da. Vielleicht auch mit etwas, an das Du zu Anfang niemals gedacht hättest und dass sich bei Licht betrachtet viel mehr nach Dir selbst anfühlt, als alles andere bisher in Deinem Leben.

Und es hat noch einen weiteren Vorteil: Wir verschieben die Erfüllung nicht auf später. Auf eine Zukunft, die vielleicht nie eintritt. Und falls doch, sich möglicherweise gar nicht so anfühlt, wie wir uns das erhofft und vorgestellt hatten. Erinnert mich gerade daran, was mir mit Oleg passiert ist. Kannst Du hier nachlesen:

Warum ich froh bin, dass mein großer Traum geplatzt ist

Tun-Haben-Sein oder doch SEIN-TUN-HABEN?

Unser Leben lang hat man uns beigebracht, wir müssten die richtigen Dinge auf die richtige Weise tun, damit wir dann ganz tolle Sachen in unserem Leben haben können, die dann unseren Seinszustand verändern sollen. Wir arbeiten beispielsweise ganz brav im „richtigen“ Job, damit wir dann ganz viel Geld verdienen und uns tolle Sachen kaufen können, die uns dann hoffentlich glücklich machen. Das Sein soll hier aus dem Haben folgen, was wiederum eine Folge „richtigen“ Tuns sein soll. Kein Wunder, dass unser Leben so stressig und kompliziert ist.

Und abgesehen davon; nach welchen Kriterien sollen wir überhaupt entscheiden, was das „Richtige“ ist, das uns unserem Ziel näher bringt in einer so komplexen Welt wie unserer, bei der jederzeit alles passieren kann?

Wenn wir diese Reihenfolge jedoch umkehren, dann leben wir jetzt schon so, wie wir leben wollen. Egal, was draußen in unserem Leben los ist. Wir leben von innen heraus, was und wie wir sein wollen. Wir SIND, was wir sein wollen. Egal, was wir haben oder tun. Die Reihenfolge, in der unser Leben auf natürliche Weise funktioniert, lautet nämlich nicht Tun-Haben-Sein sondern SEIN-TUN-HABEN.

Wir sind von innen heraus, was, wie und wer wir sein wollen, lassen unser Tun ganz natürlich aus diesem Sein fließen und die Lebensumstände sich dadurch ganz von selbst und auf natürlich Art in ihrer eigenen Zeit verändern. Sodass wir am Ende auch HABEN, was wir wirklich brauchen und was uns erfüllt. Nur, dass es uns dann wahrscheinlich gar nicht mehr so wichtig ist, weil Tun und Haben nur eine Folge unseres Seins sind und nicht, wie wir immer gelehrt worden sind, deren Ursache.

Die Wahrheit ist nämlich, es sind nicht die Umstände, die sich ändern müssen. Wir sind es. Die Umstände ändern sich dann fast immer ganz von allein und zum richtigen Zeitpunkt. Oder eben manchmal auch nicht. Dann sicher auch aus einem Grund.

Du brauchst nur Deinen Teil zu tun, den Rest überlasse dem Leben und denke daran: „Schnee fällt. Jede Flocke an ihren Platz.“

Was Du jetzt direkt tun kannst

Damit Du gleich loslegen und Dein Tun ins Sein übersetzen kannst, habe ich Dir ein kleines Arbeitsblatt für die ersten Schritte zusammengestellt. Du kannst es Dir hier herunterladen:

Arbeitsblatt herunterladen

Wenn Du noch einen Schritt weitergehen und die Sache mit Deinem erfüllten Leben mit Sinn und Bedeutung endlich richtig umsetzen möchtest, kannst Du auch direkt 1:1 mit mir zusammenarbeiten und Dich von mir durch den Prozess begleiten lassen. Hier findest Du alle wichtigen Informationen über unsere Zusammenarbeit: Angebote

Aus dem Shop:

Wie man die richtigen Entscheidungen trifftWie man emotionale Blockaden auflöstMehr Selbstvertrauen in 7 TagenSelbstwertgefühl - Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst

 

Titel-Photo: pixabay.com
Lizenz: CCO Public Domain
Fotograf: Capri23auto

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Weiterführende Literatur:
*Michael Ende: MOMO oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte, 1973, K. Thienemanns Verlag, Stuttgart, Seite 36 f (angepasst an die neue Rechtschreibung)
*Neale Donald Walsh: „Bring Licht in die Welt“, Mosaik Verlag, Deutsche Erstausgabe 2002, S. 29
*Neale Donald Walsh: „Bring Licht in die Welt“, Mosaik Verlag, Deutsche Erstausgabe 2002, S. 73

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