Wahrnehmungsfilter

Wie bereits das NLP Axiom „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“ nach einem Zitat des polnischen Ingenieurs und Linguisten Alfred Korzybski (1879 – 1950) besagt, stimmt unsere Wahrnehmung von der Welt nicht mit der tatsächlichen Welt überein. Da wir die Welt durch unsere verschiedenen Wahrnehmungsfilter nicht 1:1 wahrnehmen können, fertigt sich jeder Mensch ein mentales Modell von der Welt an. Dieses Modell hilft ihm, sich in der tatsächlichen Welt zu orientieren. Wir reagieren stets auf unser Modell bzw. unsere innere Repräsentation von der Welt, nicht auf die Welt an sich.

Da diese Modellbildung ein persönlicher Prozess und eine Leistung jedes einzelnen Menschen ist, haben auch nie zwei Menschen das exakt gleiche Modell der Welt. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen Weltmodellen verschiedener Menschen auch gewisse Schnittmengen, die jedoch immer auch individuell in ihren Details ausgestaltet sind. Unser Modell von der Welt wird eingeschränkt durch unsere Wahrnehmungsfilter. Hiervon unterscheiden wir im NLP drei verschiedene Typen:

Die 3 Wahrnehmungsfilter im NLP

  1. neurologische Filter
  2. soziale Filter
  3. individuelle Filter

1. Neurologische Filter

Unsere Sinne nehmen nur einen sehr begrenzten Teil der Wirklichkeit wahr, der Rest wird herausgefiltert. Unsere Augen können Licht innerhalb eines Wellenspektrums von ca. 380 – 750 Nanometer wahrnehmen. Ultraviolette oder infrarote Wellenlängen des gebrochenen Lichts, also Lichtbereiche über- oder unterhalb des Bereichs zwischen 380 und 750 Nanometer, sind für unsere Augen nicht existent. Sie kommen in der realen Welt jedoch durchaus vor. Viele Tierarten z. B. können Licht dieses Wellenspektrums wahrnehmen und richten ihr Verhalten danach aus.

Das menschliche Ohr nimmt Schallfrequenzen nur in einem Bereich von ca. 20 Hertz bist 20.000 Hertz (20kHz) wahr. Töne darüber oder darunter, also Ultraschall oder Infraschall, sind für unser menschliches Gehör wiederum nicht wahrnehmbar. Fledermäuse sind ein bekanntes Beispiel für eine Tierart, die sehr gut im Ultraschallbereich wahrnehmen kann. Hinzu kommt noch, dass die Hörfähigkeit mit zunehmendem Alter bei den meisten Menschen nachlässt, was im Übrigen ebenso auf die Sehfähigkeit zutrifft. In der Regel nimmt die Hörfähigkeit im Alter mit ca. 1 kHz pro Jahrzehnt ab, sodass hohe Töne schlechter zu hören sind. Diese Degeneration der Hörfähigkeit geht meist hinunter bis auf Werte um die 16 kHz.

Unser Tastsinn ist ein weiteres Beispiel für die Einschränkungen unserer neurologischen Filter. Angenommen, Sie und ich würden ein kleines Experiment machen. Ich verbinde Ihnen die Augen und berühre Sie abwechselnd mal mit einem, mal mit zwei angespitzten Bleistiften auf der Haut. Ihre Aufgabe wäre es, mir mit verbundenen Augen zu sagen, ob ich Sie aktuell mit einem oder mit zwei Stiften berühre. An der Fingerkuppe würden Sie feststellen, dass ich die Bleistiftspitzen nur wenige Millimeter auseinander zu halten brauche und Sie erkennen glasklar, dass es sich um zwei Spitzen handelt. Würden wir das gleiche auf Ihrem Rücken probieren, so müsste ich die Stifte mehrere Zentimeter auseinander halten, bis Sie bemerken, dass es sich um zwei verschiedene Gegenstände handelt.

2. Soziale Filter

Die sozialen Filter werden bestimmt durch alle sozialen Lebensbereiche einer Person wie beispielsweise Sprache, kulturell allgemein anerkannte Arten der Wahrnehmung, etc. Sprache schränkt die Anzahl der möglichen Unterscheidungen in unseren Erfahrungen massiv ein.

Ein Beispiel: Selbst ein Farben-Spezialist kennt vielleicht nur einige hundert Bezeichnungen für Farben und verschiedene Farbabstufungen insgesamt. Der normale Mensch kommt wahrscheinlich mit weniger als zwei Dutzend aus. Das menschliche Auge kann jedoch ca. 7500 verschiedene Farbtöne wahrnehmen. Darunter gibt es z. B. mehrere hundert Abstufungen der Farbe grün. Angenommen, ich würde mehrere hundert Gegenstände vor Ihnen ausbreiten. Jeder in einer anderen Abstufung der vielen hundert für das menschliche Auge wahrnehmbaren Grüntöne.

Weiter angenommen, Sie sind kein Farbexperte und haben in Ihrem Sprachschatz zur Farbe grün die drei normalen Unterscheidungen hellgrün, grün und dunkelgrün. Dann würde die reale Erfahrung mehrerer hundert verschiedener Grüntöne durch Ihren sozialen Filter der Sprache zu drei verschiedenen Unterscheidungen, nämlich hellgrün, grün und dunkelgrün verdichtet. Somit geht ein riesiger Teil der eigentlichen Erfahrung durch unsere sozialen Filter verloren. Während Menschen prinzipiell über ein Nervensystem weitestgehend gleicher Bauart verfügen, unterscheiden sie sich doch erheblich in ihrer kulturellen Prägung und durch die Sprache, die sie sprechen. Der soziale Filter von Menschen gleicher Sprache und Kultur eint diese weitestgehend in einem großen Teil der Erfahrung ihrer Welt.

Menschen unterschiedlicher Kultur und Sprache unterscheiden sich an diesem Punkt jedoch sehr stark in ihrer Erfahrung von der Welt. Dies wird in erster Linie durch ihre kultur- und sprachspezifischen sozialen Filter determiniert. Darüber hinaus und sogar noch stärker als durch die sozialen Filter unterscheidet sich das Weltmodell verschiedener Menschen durch ihre individuellen Filter.

3. Individuelle Filter

Individuelle Filter beruhen auf unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte. Bei den individuellen Filtern handelt es sich um persönliche und individuell verschiedene Interessen, Glaubenssätze (Beliefs), Einstellungen, Werte, Gewohnheiten, Vorlieben, etc. Jeder Mensch hat bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art und Weise gelernt, seine ganz eigenen Erfahrungen in und mit der Welt gemacht, usw. Es gibt keine zwei Lebenserfahrungen, die einander exakt gleichen. Daraus resultiert, dass es ebenso keine zwei Menschen auf der Welt gibt, deren Modell von der Welt genau übereinstimmt. So nimmt jeder Mensch die Welt auf eine Art und Weise wahr, wie nur er dies vermag.

Darüber hinaus wird unser Modell von der Welt durch die drei subjektiven Gestaltungsprozesse Generalisierung, Tilgung und Verzerrung beeinflusst, mit denen wir unsere Wahrnehmung gestalten. Jede NLP Intervention stellt einen gezielten Eingriff in das Weltmodell des Klienten dar.

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