Milton-Modell

Das Milton-Modell ist eines von zwei großen Sprachmodellen im NLP. Es wurde liebevoll nach Milton H. Erickson (1901 – 1980), dem Begründer der modernen Hypnotherapie, benannt. Es verhält sich zum anderen großen Sprachmodell im NLP wie ein Positiv zu seinem Negativ. Im Milton-Modell geht es um spezifische Sprachmuster und Trance-Induktionstechniken, die es ermöglichen, sich bewusst so kunstvoll vage auszudrücken, dass beim Gegenüber transderivationale Suchprozesse ausgelöst werden.

Wo es sich angeboten hat und mir sinnvoll erschien, habe ich in der Umkehrung des Milton-Modells einige passende und beispielhafte Metamodell-Fragen ergänzt. Das Milton-Modell besteht aus ca. 30 verschiedenen hypnotischen Sprachmustern. Viele dieser Muster werden heute in allen Bereichen des Lebens von Verkäufern, Therapeuten, Coachs, Führungskräften, usw. erfolgreich eingesetzt.

Wie mit fast allem im Leben verhält es sich auch mit den hypnotischen Sprachmustern des Milton-Modells so, dass es von der Gesinnung des Anwenders abhängt, ob sie für gute oder negative Zwecke eingesetzt werden. Sie haben manipulativen Charakter (wie jede Form der Kommunikation), doch kann ich mein Gegenüber (z. B. als Coach oder Therapeut) durchaus zu seinem eigenen Vorteil manipulieren (vielleicht wäre „einladen“ hier das bessere Wort). Aber natürlich lassen sich solche Muster auch in den Dienst der „schwarzen Rhetorik“ stellen. Umso wichtiger ist es für jeden, über sie bescheid zu wissen. Denn selbst wenn man sie persönlich nicht anwenden möchte, sollte man sie doch erkennen können, wenn ein anderer sie anwendet.

Die hypnotischen Sprachmuster des Milton-Modells lassen sich nach Chris Mulzer in 6 Hauptgruppen einteilen:

 

Gruppe I: Löschungen / Tilgungen

Nominalisierungen

Nominalisierungen sind unbestimmte Hauptwörter, die man daran erkennt, dass man sie mit keinem der fünf Sinne direkt wahrnehmen kann. Nominalisierungen lassen sich also in keinem Repräsentationssystem beschreiben und auch nicht in eine Schubkarre legen. Wie sieht es aus, das „Leben“? Wie fühlen sie sich an, die „Garantien“? Wie riecht das „Glück“? Nominalisierungen werden also von unterschiedlichen Menschen uneinheitlich interpretiert – z. B. je nach Sozialisation, Kontext, etc.

Durch diese begriffliche Unschärfe kann der Hörer die Nominalisierungen mit den jeweils für ihn passenden eigenen Inhalten füllen. Ein Mensch wird sich unter der Nominalisierung „Urlaub“ vielleicht Ferien am Meer vorstellen, ein anderer sieht sich dabei im Geiste mit Wanderrucksack bepackt in den Bergen und ein Dritter vielleicht auf einer Segelyacht vor den Seychellen.

Beispieltext (Nominalisierungen fett gedruckt):
„Im Leben gibt es keine Garantien. Du musst deine gesamte Kreativität einsetzen und deine eigenen Erfahrungen machen, um die für dich besten Lösungen zu finden, damit du Zufriedenheit und Glück erfahren kannst und Mühsal und Leid vermeiden kannst.“

„Ich bin ein Versager.“

Metamodell-Fragen: Was genau ist das für dich, ein „Versager“? Wie machst du das, ein Versager zu sein? Woran merkst du, dass du ein Versager bist? Wie erlebst du dich, wenn du dich als Versager fühlst? etc.

Unbestimmte Verben, Adjektive und Adverbien

Verben zum Beispiel, beschreiben nie alle Aspekte und Einzelheiten einer Tätigkeit. Sie bleiben mehr oder weniger unspezifisch. Die dadurch enstehende Informationslücke wird vom Hörer wieder mit eigenem Inhalt und Bedeutung gefüllt. Unser Gehirn mag keine Lücken und ist stets bemüht, sie aufzufüllen. Analoges gilt für unbestimmte Adjektive und Adverbien.

Beispieltext (unbestimmte Verben fett gedruckt):
„Und während du dich jetzt veränderst und dabei tust, was auch immer zu tun ist, bemerkst du, wie schnell sich Probleme wie von selbst auflösen und du immer mehr spürst, wie du dich an vergangenes Wissen erinnerst, während du innerlich zu deiner wahren Größe heranwächst.“

„Ich ersticke in Arbeit.“

Metamodell-Fragen: Wie genau erstickst du in Arbeit? In welcher Arbeit erstickst du? Was genau bedeutet es für dich, in Arbeit zu ersticken? Wann erstickst du in Arbeit?

Einfache Tilgung

Bei der einfachen Tilgung werden Teile eines Satzes weggelassen. Meist handelt es sich dabei um den substantivistischen Ausdruck.

Beispiele:
„Ich bin mir sicher, dass du hier etwas lernen möchtest.“
Etwas lernen worüber? Das Substantiv in dem Satz ist getilgt.

„Ich denke, du willst einfach nur noch, dass es aufhört.“
Was soll denn aufhören? Auch das erfahren wir hier nicht.

„Ich fühle, dass du jetzt sehr verärgert bist.“
Verärgert worüber? Darüber bleiben wir im Dunkeln.

Metamodell-Fragen: Was…? Wen…? Von wem…? Vor wem…? Wofür…? Bezogen worauf…? Worüber…? etc.

Vergleichende Tilgung

Hier werden Steigerungsformen verwendet. ohne das jeweilige Bezugs- bzw. Vergleichsobjekt zu nennen. Dieses muss der Zuhörer selbst einsetzen und dem gesagten so selbst Sinn und Bedeutung verleihen.

Beispiele:
„Ich kann das viel besser.“
Besser als wer oder zu welchem Zeitpunkt?

„Der Preis ist viel zu hoch.“
Zu hoch im Vergleich wozu?

„Und du bemerkst, dass dein Gehirn beim Lernen die Informationen immer schneller verarbeitet.“ Schneller als zu welchem anderen Zeitpunk? Schneller im Vergleich wozu?

Metamodell-Fragen: Im Vergleich wozu? Im Vergleich zu wem? …als was? …als wer? …als wann? etc.

Fehlender Referenzindex

Beim fehlenden Referenzindex wird nicht klar, auf wen oder was sich die jeweilige Aussage beziehen soll.

Beispiele:
„Das geht doch nicht!“
Was genau geht doch nicht?

„Das darf doch nicht wahr sein!“
Was genau darf doch nicht wahr sein?

„Es ist einfach zu spät.“
Was genau ist einfach zu spät?

Metamodell-Fragen: Was genau? Welche genau? wer genau? Wo genau? Wann genau? etc.

 

Gruppe II: Semantische Fehlgeformtheiten

Kausalitäten (Verknüpfungen)

Hier werden zwei Satzteile oder Aussagen so miteinander verknüpft, dass beim Zuhörer der Eindruck entsteht, als gäbe es zwischen beiden Teilaussagen tatsächlich eine Beziehung in der Art von Ursache und Wirkung. Es gibt drei Arten, dieses Muster anzuwenden:

1. Konjunktionen

a) Verknüfpfungen mit „und“:
„Du lauschst meinen Worten und beginnst dabei, immer tiefer in Trance zu gehen.“
„Du spürst das Gewicht deines Körpers auf dem Stuhl und das kann dich neugierig machen, wie tief du dich wohl dieses Mal entspannen kannst.“

b) Verknüpfungen mit „indem“, „wenn“, „während“:
„Indem dir jetzt bewusst wird, wie dein Atem ein und ausströmt, kannst du mit jedem Atemzug tiefer entspannen.“
„Wenn diese Glocke jetzt gleich zweimal ertönt, kann dir das helfen, loszulassen.“
„Du kannst dich einfach entspannen, während sich dein Bewusstsein vielleicht noch mit der Frage beschäftigt, wozu das hier alles gut sein soll.“

2. Kausalnexus (Ursache-Wirkungs-Beziehungen)

Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen funktionieren in der Art X bewirkt Y. Es lassen sich dabei zwei Arten differenzieren:

a) Ursache führt zu Wirkung
„Die Tatsache, dass du dich entschlossen hast, an deinem Problem zu arbeiten, kann bewirken (verursachen, dazu führen, bedingen, erfordern, etc.), dass dir all die Ressourcen bewusst werden, die du bisher bei der Lösung deines Problems noch gar nicht in Betracht gezogen hast.“
„Die arrogante Art meiner Chefin macht mich wütend.“

b) Wirkung beruht auf Ursache
„Der Umstand, dass du heute hier im Coaching sitzt, um an einer Lösung für dein Problem zu arbeiten, beweist (deutet darauf hin, bezeugt, etc.), dass du ein gewissenhafter Mensch bist, dem es wichtig ist, ein erfolgreiches Leben zu führen.“
„Dass mich mein Mann betrogen hat, liegt daran, dass ich nicht attraktiv genug bin.“

3. Komplexe Äquivalenz

Beim Muster „komplexe Äquivalenz“ handelt es sich um ein Muster, das einem Umstand eine bestimmte Bedeutung zuschreibt.

Beispiel
„Dass du angesichts des Leids, das deine Schwester momentan erfahren muss, weinen musst, bedeutet, dass du ein sehr mitfühlender Mensch bist, dem etwas daran liegt, dass es seinen Liebsten gut geht im Leben.“

4. Je… desto… – Verknüpfungen

Bei Verknüpfungen nach dem „je…desto…-Muster“ lassen sich auf geschickte Weise verschiedene Umstände zum Beispiel so zusammenfügen, dass das Unerwünschte automatisch zum Erwünschten führt.

Beispiele
„Je mehr du dich im Training anstrengst, desto leichter wirst du es im Wettkampf haben.“
„Je schwerer es dir fällt, desto mehr wirst du es hinterher zu schätzen wissen.“
„Je gewissenhafter du deine Hausaufgaben erledigst, desto bessere Noten wirst du in den Klausuren erreichen.“

Metamodell-Fragen: Wie genau denkst du, führt X zu Y? Was sagt dir, dass X Y bewirkt? Wieso bedeutet es für dich, dass du kein guter Verkäufer bist, wenn du es nicht schaffst, unfreundlichen Kunden überfreundlich zu begegnen und dir alles gefallen zu lassen? Was genau geht in dir vor, dass du wütend wirst, wenn deine Frau dich versetzt? etc.

Gedankenlesen

Gedankenlesen ist ein hypnotisches Sprachmuster, mit dem man insbesondere den Rapport zu seinem Gesprächspartner steigern kann. Ziel ist es, dem anderen das Gefühl zu vermitteln, man wüsste oder könne sich zumindest denken, wie es in ihm aussieht und was in ihm vorgeht. Wichtig ist es dabei, besonders auf sprachliche Weichmacher zu setzen und damit in den eigenen Aussagen so kunstvoll vage wie möglich zu bleiben. Je konkreter man hier wird, desto größer ist die Chance, dass man mit der eigenen Aussage daneben liegt und somit beim anderen Widerstand hervorruft. Dies würde wiederum den Rapport gefährden. Das Gedankenlesen ist also besonders effektiv, wenn es auf Bereiche angewendet wird, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen.

Beispiele
„Du bist vielleicht neugierig darauf, was wir als nächstes tun werden.“
„Du fragst dich vielleicht, ob wir heute etwas früher Feierabend machen können.“
„Eventuell möchtest du jetzt gerne mehr über dein Problem herausfinden, sodass die Lösung hinterher umso leichter fällt.“

Gedankenlesen betreiben wir jedoch auch unbewusst oft mit anderen. Beispielsweise kommt ein Freund zu Ihnen und sagt: „Die Neue vom Alexander mag mich nicht.“ Woher weiß Ihr Freund das? Sofern die neue Lebensgefährtin von Alexander es Ihrem Freund nicht direkt gesagt oder er es aus anderen zuverlässigen Quellen erfahren hat, befindet er sich hier im Bereich des Gedankenlesens. Passende Fragen, um dem Gedankenlesen hier auf die Spur zu kommen, währen zum Beispiel: „Woher weißt du das?“ „Was hast du gesehen oder gehört, dass dich glauben lässt, sie möge dich nicht?“ „Wie kommst du darauf, dass sie dich nicht mag?“

Metamodell-Fragen: Woher weißt du das? Wieso glaubst du, dass es so ist? Wie kommst du darauf? Was hast du gesehen oder gehört, dass dich denken lässt, dass sie dich nicht mag? etc.

Gruppe III: Einengung / Verallgemeinerung

Verlorener Performativ

Hierbei geht der Urheber einer Aussage verloren. So ist beispielsweise Einsteins Aussage „Man kann Probleme niemals auf der gleichen Ebene lösen, auf der sie entstanden sind.“ ein Zitat, wenn man einen einleitenden Satz wie „Einstein hat einmal gesagt:“ voranschiebt. Lässt man den ersten Satz jedoch für sich stehen, geht der Urheber (hier Einstein) des Satzes verloren. Beim verlorenen Performativ handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um eine Behauptung ohne genannten Urheber, die entweder richtig, falsch oder unentscheidbar sein kann.

Beispiele:
„Es ist immer gut, sich gegen Unfälle zu versichern.“
„Man sollte seine Hausaufgaben am Besten sofort erledigen.“
„Menschen können – auch im hohen Alter – leicht lernen.“

Metamodell-Fragen: Wer genau sagt das? Wessen Meinung ist das? Wieso denkst du, dass das so ist? Woher weißt du das? Wessen Worte waren das? etc.

Universalquantifikatoren

Universalquantifikatoren sind Wörter wie „immer“, „jedes Mal“, „nie“, „niemand“, „alle“, „keiner“, etc. Man kann Universalquantifikatoren weiter untergliedern in solche der Zeit, der Häufigkeit, etc. Sie sind krasse Verallgemeinerungen und stimmen so eigentlich „nie“.

Beispiele:
„Nie bedankst du dich bei mir.“
„Immer kommst du zu spät.“
„Keiner mag mich.“

Metamodell-Fragen: Wirklich niemand mag dich, kein einziger Mensch auf der ganzen Welt hat dich je gemocht? Er hat sich wirklich noch nie bei dir bedankt, nicht ein einziges Mal? Du meinst, ich komme wirklich immer zu spät, ich bin also noch kein einziges Mal pünktlich gewesen? etc.

Modaloperatoren

Modaloperatoren sind kleine Wörter, die den Inhalt eines Verbs verändern (modifizieren). Sie lassen sich weiter unterteilen in Modaloperatoren der Möglichkeit (können, dürfen, etc.) und Modaloperatoren der Notwendigkeit (sollen, müssen, etc.).

a) Modaloperatoren der Möglichkeit
„Du kannst das jetzt lernen oder zu jedem anderen Zeitpunkt.“
„Man darf sich auch mal entspannen, wenn man genug getan hat.“

b) Modaloperatoren der Notwendigkeit
„Man sollte immer zuerst seine Aufgaben erledigt haben, bevor man Urlaub macht.“
„Denkst du nicht, du musst in deinem Leben auch mal was so richtig falsch machen, um dazuzulernen?“
„Es ist notwendig zu Kunden immer freundlich zu bleiben, auch wenn sie einen beleidigen.“

Metamodell-Fragen: Sonst geschieht was? Was würde deiner Meinung nach passieren, wenn du auf einen unfreundlichen Kunden auch unfreundlich reagierst; dich mal entspannst, mal unpünkltich bist,…? etc.

Gruppe IV: Präsuppositionen (Vorannahmen)

Mit Präsuppositionen kann man eigene Formulierungen so gestalten, dass die Chance, dass sie vom Gegenüber in Frage gestellt werden, relativ gering ist. Dazu gibt es mehrere Varianten, die wie alle hypnotischen Sprachmuster, wunderbar mit einander kombiniert werden können und dann eine noch tiefere Wirkung entfalten. Egal in welcher Form, die Kernbotschaft wird immer transportiert und bleibt erhalten.

Möchte man beispielsweise bei einem Klienten, der Schwierigkeiten damit hat, sich zu entspannen, die Idee säen, dass er bereits über die Fähigkeit, sich zu entspannen, verfügt, so könnte man etwa Folgendes sagen: „Hast du bemerkt, wie du dich während meiner letzten drei Sätze immer mehr entspannt und deine Körperspannung sich verändert hat?“ Der Andere kann zwar sagen, er habe es nicht bemerkt, jedoch bleibt dadurch die Kernbotschaft erhalten. Die Frage ist dann weniger, ob er sich tatsächlich entspannt hat oder nicht, sondern lediglich, ob er es bewusst registriert hat.

Verben der Wahrnehmung

Beispiele
„Hast du bereits bemerkt, wie du in letzter Zeit immer mal wieder über bestimmte Aspekte deines Wunsches nachgedacht hast?“
„Ist dir aufgefallen, wie gerade eben dein linker Fuß gezuckt hat?“
„Weißt du eigentlich, wie weit du schon auf deinem Weg voran gekommen bist?“
„Nimmst du wahr, welche Fortschritte du bereits gemacht hast?

Temporale Nebensätze

Beispiele
„Möchtest du ein Glas Wasser, bevor wir anfangen?“
„Wirst du noch motivierter sein, nachdem dir klar geworden ist, wofür du das alles hier tust?“
„Du kannst weiter langsam und ruhig atmen, während du immer tiefer in Trance gehst.“
„Dein Unterbewusstsein wird dir die richtige Information zukommen lassen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Ordnungszahlen (Reihenfolge)

Beispiele
„Vielleicht bist du neugierig darauf, ob sich deine Schultern oder deine Beine zuerst entspannen.“
„Möglicherweise fragst du dich, wie es weitergeht, nachdem das Coaching erfolgreich beendet ist.“
„Eventuell möchtest du wissen, was ich als nächstes sagen werde.“

Adjektive und Adverbien

Beispiele
„Vielleicht wundert es dich, wie leicht es dir schon fällt, dich zu entspannen-“
„Bist du überrascht, wie tief diese Trance sich anfühlt?“
„Willst du herausfinden, wie gut es dir dieses Mal schon gelingt?“

Scheinalternativen

Scheinalternativen sind Sätze, die meist mit dem Wort „oder“ gebildet werden. Sie lassen dem Adressaten meist die Wahl, z. B. in welcher Reihenfolge er von uns gewünschte Tätigkeiten ausführen möchte. DASS er sie jedoch ausführt, steht dabei rhetorisch überhaupt nicht zur Debatte. Dem Empfänger einer Scheinalternative bleibt also mehr die Illusion einer Wahl, als eine tatsächliche Wahl. Es sei denn, er ist geschult und durchschaut das Muster.

Beispiele
„Möchtest du zuerst dein Zimmer aufräumen oder zuerst Hausaufgaben machen?“
„Wollen Sie lieber bar bezahlen oder mit Scheck?“
„Passt es Ihnen nächste oder übernächste Woche besser?“
„Ich weiß nicht, ob sich dein linker oder rechter Fuß eher entspannen wird.“
„Ich frage mich, ob dein Bewusstsein oder Unterbewusstsein die Botschaft zuerst verstehen wird.“

Metamodell-Fragen: Wer sagt, dass ich mich überhaupt entspannt habe? Wie kommen Sie darauf, dass ich den Wagen überhaupt kaufen möchte? Was lässt dich vermuten, dass ich die Küche überhaupt aufräumen möchte? etc.

Gruppe V: Indirekte Reaktionsauslöser

Indirekte Auslöser von Reaktionen spielen sich im subtilen Bereich ab und sind geeignet, eine gewünschte Reaktion zu erzielen, ohne offen darum zu bitten. Auf diese Weise ist der Sender der Botschaft weniger angreifbar. Auch dieses Muster kann, wie alle anderen auch, im positiven wie im negativen Sinne verwendet werden. Es ist sehr hilfreich z. B. bei der Trance-Induktion, wird aber auch oft im Rahmen der schwarzen Rhetorik benutzt. Hier kann dann der Sender der Botschaft sich ggf. auf die Position zurückziehen, dass der andere dies ja alles nur interpretieren würde und er es nie so gesagt habe. Dies geschieht oft im Rahmen von Mobbing.

Versteckte Befehle

Versteckte Befehle sind Befehle, die in einem längeren Satz „versteckt“ sind, so dass ihnen etwas von ihrer Direktheit genommen wird. Auf diese Weise regt sich im Gegenüber weniger Widerstand, als bei einer direkt geäußerten Anweisung.

Beispiele
„Nachdem du nach unserer Sitzung zuhause angekommen bist, entspanne dich und genieße die Eindrücke des heutigen Tages.“
„Sobald du nachher zur Ruhe gekommen bist, denke an dein Ziel und daran, wie du es verwirklichen wirst.“
„Wenn deine Augen sich geschlossen haben, entspanne auch den Rest deines Körpers.“

Versteckte Fragen

Versteckte Fragen sind eigentlich Aussagen, die jedoch eine implizite Frage enthalten. Man erspart es sich damit zum Beispiel, eine direkte Frage zu stellen und abgewiesen zu werden. Auf der anderen Seite wird ein uns wohlgesonnener Gesprächspartner oft auf die implizite Frage direkt antworten.

Beispiele
„Ich frage mich, was Sie von diesem Modell hier halten.“
„Mich würde interessieren, wie Sie meine Leistung bisher beurteilen.“
„Mich treibt die Frage um, welches Möbelstück Sie wohl zuerst in Ihr neues Wohnzimmer stellen werden.“
„Ich frage mich, was du wohl für mich empfindest.“

Analoges Markieren

Analoges Markieren bedeutet, während des Sprechens die Stimme, Gestik und Mimik so einzusetzen, dass das Gesagte verstärkt wird. Die eigenen Aussagen oder Teile davon werden also durch nonverbale Stilmittel hervorgehoben.

Negationen

Negativaussagen sind für unser Gehirn wesentlich schwerer zu verarbeiten, als positive. Ihre Verarbeitung dauert deutlich länger, sodass die Negation immer hinterher hinkt. Jeder kennt die Aufforderung: „Denken Sie jetzt bitte nicht an einen rosaroten Elefanten mit einem gelben Marienkäfer auf der Nase.“. So sehr wir uns auch anstrengen, der Inhalt der Bilder ist schneller, als die Negation in der Aufforderung. Negationen eignen sich übrigens hervorragend in der Arbeit mit z. B. Klienten, die den Kooperationsstil „Klient macht das Gegenteil“ haben. Eine gute Freundin hat mir versichert, dass es auch mit bockigen Kindern funktionieren soll. 🙂

Beispiele
„Du kannst dich jetzt nicht noch tiefer entspannen, oder?“
„Ich befürchte, das wird Sie nicht interessieren.“
„Ich glaube nicht, dass du es schaffen kannst, deine Hausaufgaben bis zum Fußballspiel zu erledigen.“

Konversationelle Postulate

Konversationelle Postulate sind im Grunde genommen Fragen, die eine Antwort nach dem Schema „ja“ oder „nein“ erfordern. In einer zivilisierten und uns wohlgesonnenen Umgebung wird unser Gegenüber meist jedoch nicht mit „ja“ oder „nein“ antworten, sondern auf die tiefere Ebene unserer Botschaft reagieren.

Beispiele
„Weißt du, wie spät es ist?“
„Kennen Sie den Weg zum Bahnhof?“
„Kannst du die Tür hinter dir schließen?“

Ambiguitäten

Ambiguitäten sind Mehrdeutigkeiten einzelner Wörter, die phonetisch gleich klingen. So klingen beispielsweise die Wörter „sehen“ und „säen“ gleich, haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen. Im Englischen gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten, mit Ambiguitäten zu arbeiten, als in der deutschen Sprache.

 

Gruppe VI: Metaphorische Sprachmuster

Isomorphe Metapher

Isomorphismen sind offensichtliche Ähnlichkeiten oder Gleichheiten. Isomorphe Metaphern werden daher auch als flache Metaphern bezeichnet. Bezeichnend für isomorphe Metaphern sind oft Gleichnisse, welche die Oberflächenstruktur betreffen. Man findet darin häufig die Wörter „als“ oder „wie“, z.B. „stark wie ein Stier“ oder „hungrig wie ein Löwe“.

Homorphe Metapher

Homorphe Metaphern werden auch als tiefe Metaphern bezeichnet. Bei ihnen ist die Ähnlichkeit normalerweise nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich. Sie zielen mehr auf die Tiefenstruktur. Homomorphe Meptapern deuten dabei auf Ähnlichkeiten in der Form oder mit anderen Worten auf der Prozessebene. Das sind Gleichnisse wie „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ oder „nicht mehr alle Tassen im Schrank haben“.

Zitate

Zitate werden gerne verwendet, wenn man eine bestimmte Botschaft platzieren möchte, ohne jedoch für den Inhalt verantwortlich zu sein. Schließlich wiederholt man ja nur, was jemand anderes zu dem Thema einmal von sich gegeben hat. Zitate von namhaften Personen können darüber hinaus der Aussage auch zusätzliches Gewicht verleihen.

Beispiele
„Albert Einstein hat einmal gesagt, Probleme könne man nie auf der gleichen Ebene lösen, auf der sie entstanden sind.“
„Henry Ford sagte einmal: „Es ist mir egal, was ihr über mich schreibt, aber schreibt meinen Namen richtig!“
„Das Leben kann man nur rückwärts verstehen, aber man muss es vorwärts leben. Oder wie es ein Freund von mir einmal treffend formulierte: Hinten kackt die Ente!“

Stellvertreter

Mit dem Stellvertreter-Muster kann man ebenfalls Aussagen machen, ohne für den Inhalt gerade stehen zu müssen.

Beispiele
„Meine Mutter würde jetzt sagen: Wer hoch fliegt, kann tief fallen.“
„Würde mich das jemand anders fragen, würde ich ihm raten, das sein zu lassen.“
„Wenn du ich wärst, was würdest du zu deinem Verhalten sagen?“

Punktuelle Grenzüberschreitungen

Bei punktuelen Grenzüberschreitungen werden einem „Ding“ Eigenschaften zugeschrieben, die dieses nach aller Logik nicht besitzen kann. Dieses Muster wirkt besonders stark in einer tiefen Trance, in denen der kritische Verstand weitestgehend ausgeschaltet ist. Hierüber lassen sich auf sehr effektive Weise Botschaften direkt ans Unbewusste leiten.

Beispiele
„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“
„Der springende Punkt.“
„Die brennende Leidenschaft.“
„Mit eiskalter Berechnung.“

Eine Übersicht aller Lexikoneinträge findest Du hier: Lexikon