Innere Eltern

Die inneren Eltern sind das, was der Psychologe „Introjekte“ nennt. Das bedeutet, wir haben eine reale Person „da draußen“ in unser psychisches Erleben integriert und dort verhält sie sich dann als eigenständiger Teil unserer Persönlichkeit weiterhin so, wie es unserem Bild von ihr entspricht. Introjekte haben nämlich die Eigenschaft, sich kaum von selbst weiterzuentwickeln.

Wir können auch sagen, dass unsere äußeren Eltern mit der Zeit zu weitestgehend autonomen Teilen unserer Gesamtpersönlchkeit werden. Denn wir wissen heute, dass das, was wir als einheitliches psychisches Geschehen (unsere Gesamtpersönlichkeit) erleben, sich eigentlich aus diversen einzelnen Teilpersönlichkeiten zusammensetzt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch häufig vom „inneren Team“ oder „Multimind“.

Jede Teilpersönlichkeit hat eigene Bedürfnisse, Wünsche, Ängste, Meinungen, usw. Und sie können untereinander im Widerspruch liegen. So lassen sich auch Situationen erklären, in denen wir uns zwischen zwei Alternativ hin und her gerissen oder innerlich gespalten fühlen. Schon Goethe ließ seinen Dr. Faust sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Die eine will sich von der and’ren trennen.“

Dass sich unsere Gesamtpersönlichkeit in mehrere Persönlichkeitsteile aufgliedert ist übrigens völlig normal und Teil des gesunden Erlebens und hat nichts mit „gespaltenen Persönlichkeiten“ zu tun.

Da diese Teilpersönlichkeiten sich wenn überhaupt dann nur sehr wenig und sehr langsam von selbst weiterentwicklen, kann es beispielsweise vorkommen, dass unsere realen Eltern längst ihre Meinung zu einem bestimmten Thema geändert haben. Unsere inneren Eltern bleiben davon jedoch völlig unbeeindruckt. Denn diese Teile unserer Persönlichkeit leben in einer anderen Zeit und haben kaum Kontakt zur Außenwelt.

Ein Beispiel: Wenn der Vater Handwerker war und etwas gegen „Studierte“ hatte, die Mutter sich jedoch eine akademische Laufbahn für ihren Sohn gewünscht hat, kommt dieser in einen starken inneren Konflikt, wenn er sich nach der Schule entscheiden muss, in welche Richtung es gehen soll.

Diese alten Konflikte leben dann auch später noch in der Beziehungsdynamik innerhalb unserer Gesamtpersönlichkeit zwischen unseren inneren Eltern und unserem inneren Kind weiter und beeinträchtigen unser Leben als Erwachsene. Übrigens selbst dann, wenn unsere leiblichen Eltern längst verstorben sind. In diesem Fällen oft sogar noch mehr.

Um diese alten Muster zu überwinden, müssen wir die verschiedenen Teile unserer Gesamtpersönlichkeit miteinander aussöhnen und unter eine gemeinsame Führung stellen. Dann führen wir wieder selbst die Regie über unser Leben.

Fragen um Eltern-Introjekten auf die Spur zu kommen

Die Antworten auf die folgenden Fragen liefern Hinweise dafür, wie sehr unsere Eltern-Introjekte unser Leben beeinflussen:

  • Lasse ich mich von Überzeugungen leiten, wie sie für meine Eltern typisch waren?
  • Fühle ich mich so, wie sich ein Elternteil immer gefühlt hat?
  • Verhalte ich mich manchmal so, wie ein Elternteil sich verhalten hat?
  • Fällt es mir immer noch schwer, etwas zu tun, das meinen Eltern nicht gefallen hätte?
  • Versuche ich immer noch, es meinen Eltern recht zu machen?
  • Lebe ich wirklich ein Leben nach meinen eigenen Maßstäben?

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