Familienstellen

Familienaufstellung betrachtet Probleme nicht isoliert, sondern richtet den Blick auf den übergeordneten Zusammenhang – also auf das System, in das der Mensch eingebunden ist und in dem das Symptom auftritt. Eine neue und erweiterte Sichtweise entsteht.

Familienaufstellungen sind eine sehr tiefgehende Methode, um verborgene innere Zusammenhänge ans Licht zu bringen und somit wirklich ersichtlich und begreifbar zu machen. Familienaufstellungen ermöglichen Ihnen, den Blick von außen auf Ihr Problem oder Anliegen und die damit verbundenen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu richten.

Durch diese Visualisierung nimmt das innere geistige Bild im Außen Form an – es wird (be-)greifbar. Und was begreifbar wird, das wird auch (ver-)änderbar. Der systemische Blick richtet sich auf das, was unter der Oberfläche wirkt und das Symptom im Außen erzeugt.

Familienaufstellung nach Bert Hellinger

Es gibt derzeit kaum einen Ansatz in Therapie und Beratung, der so viel Aufmerksamkeit erregt, wie der von Bert Hellinger. Hellingers Familienaufstellungen, bei denen ein Mensch seine Herkunftsfamilie aufstellt, polarisieren. Nach Hellinger besteht in sozialen Systemen eine innere Ursprungsordnung, von der alle Systemmitglieder beeinflusst werden. Diese Ordnung ist nicht beliebig, sondern durch das jeweilige Familiensystem vorgegeben.

Wird dieser Ursprungsordnung entsprochen, gelingen Beziehungen, wird sie verletzt, resultieren daraus Störungen. Diese Störungen können weit über die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder untereinander hinaus reichen. Familienaufstellungen heben das unbewusste innere Bild der Familie des Aufstellenden an die sichtbare Oberfläche und lassen es erfahrbar werden. Ungemäße Positionen können korrigiert, Verstrickungen gelöst, blinder Ausgleich aufgegeben werden. Ein Lösungsbild der Familie entsteht, in dem die gute Ordnung des Systems berücksichtigt ist. Eine gelungene Familienaufstellung kann eine Neuorientierung auslösen, die zu tiefem inneren Frieden führt.

Bei der Familienaufstellung geht der Blick zurück zu unseren Wurzeln. Es geht um die verborgenen Muster, die aus unserer Gegenwarts- und Herkunftsfamilie in unser heutiges Leben wirken und unsere Lebensgestaltung beeinflussen. Eine Familienaufstellung macht die in Ihrer Familie wirkenden Dynamiken ersichtlich, die Einfluss auf das Leben aller Familienmitglieder ausüben.

Die Versöhnung mit der Vergangenheit und mit den Verstorbenen rührt etwas tief in unserer Seele an. Das Wiederherstellen der guten Ordnung beeinflusst unsere Gegenwart und unser zukünftiges Handeln. Viele Probleme entstehen, wenn jemand liebt ohne die Ordnung zu kennen, die der Liebe in menschlichen Beziehungen zugrunde liegt. Die Lösung beginnt immer mit der Einsicht in diese Ordnung.

Systemische Sichtweise

Aus systemischer Sicht wird ein Problem im Leben eines Menschen selten von ihm allein verursacht, sondern kann z. B. durch eine verletze Ordnung im System oder durch aus tiefer Liebe übernommene Gefühle eines früheren Familienmitglieds mit schwerem Schicksal entstehen. Oft kommen Klienten mit Symptomen, die sich aus ihrer eigenen Lebensgeschichte nicht hinreichend erklären lassen.

Bert Hellinger hat in seiner umfassenden Arbeit mit Familienaufstellungen herausgefunden, dass in manchen Fällen z. B. Gefühle von einer anderen Person aus dem Familiensystem übernommen werden können. In der systemischen Arbeit gehen wir davon aus, dass jedes Symptom Sinn macht, nur nicht immer im Kontext des Lebens der Person, bei der es auftritt. Dann suchen wir im Rahmen einer Familienaufstellung danach, wo dieses Gefühl oder Symptom angemessen und sinnvoll ist. Zu wem gehört es in Wirklichkeit?

In weiteren Schritten werden diese Gefühle dann durch systemische Interventionen geklärt und den vormals aus dem Familiensystem ausgeschlossenen Personen ein guter Platz im System und im eigenen Herzen gegeben. Tragende Kräfte bei allen systemischen Interventionen sind die tiefe Bindungsliebe, das gleiche Recht auf Zugehörigkeit für alle Familienmitglieder, die gute systemische Ordnung und die Achtung.

Wirkung von Familienaufstellungen

Bei Familienaufstellungen wird das mit Ihrem Anliegen verbundene innere Bild nach außen gebracht und damit greif- und veränderbar. Die im inneren unbewussten Bild enthaltenen systemischen Wechselwirkungen werden ersichtlich und erfahrbar. Es kommt zu Aha!-Erlebnissen.

Während der Aufstellung wird das alte Problembild in Richtung hin auf eine gute Lösung verändert. Das Problembild wird durch das neue Lösungsbild ersetzt. Dieses Lösungsbild wirkt in Ihrem Unterbewusstsein weiter. Hierdurch wird das Lösungsbild ins System getragen und verändert es auf diese Weise auch im Außen. Durch die Veränderung Ihres inneren Bildes verändern auch Sie sich. Und durch Ihre Veränderung beeinflussen Sie Ihr System, denn nach dem kybernetischen Modell Gregory Batesons beeinflusst die Veränderung eines System-Elements immer auch die anderen System-Teile.

Familienaufstellung – Systemaufstellung – Strukturaufstellung

Bei der Familienaufstellung geht der Blick zurück zu unseren Wurzeln. Es geht um die verborgenen Muster, die aus unserer Gegenwarts- und Herkunftsfamilie in unser heutiges Leben wirken und unsere Lebensgestaltung beeinflussen. Bei der Familienaufstellung geht es also ausschließlich um unser familiäres System und die darin enthaltenen Dynamiken, welche großen Einfluss auf das Leben aller Mitglieder ausüben. Die Familienaufstellung folgt einem phänomenologischen Ansatz.

Die ursprünglich von Bert Hellinger praktizierte Vorgehensweise des klassischen Familienstellens wurde in der Weiterentwicklung auch auf Systeme außerhalb der Familie erweitert. So können zum Beispiel auch Abteilungen in Organisationen oder die Mitarbeiter eines Kindergartens aufgestellt werden. Diese Aufstellungen in einem allgemeinem Kontext heißen Systemaufstellungen. Sie folgen einer etwas anderen Dynamik, als wir sie in klassischen Familiensystemen vorfinden.

Darüber hinaus gibt es auch eine Aufstellungs-Variante, in der auch abstrakte Begriffe wie zum Beispiel „die Freiheit“, „das Problem“ oder „das Glück“ usw. aufgestellt werden können. Diese Aufstellungs-Variante nennt man Strukturaufstellungen. Sie folgen meist einem konstruktivistischen Ansatz. Der Begriff „systemische Aufstellung“ wird meist als Überbegriff für alle Aufstellungsvarianten gleichermaßen verwendet.

Egal ob phänomenologisch oder konstruktivistisch, kein Ansatz ist besser oder schlechter als der andere. Je nach Kontext und Bedarf kann mal eine Aufstellung nach dem einen, mal eine nach dem anderen Ansatz sinnvoller sein.

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