Beliefs (Glaubenssätze)

Beliefs sind Glaubenssätze. Wir bilden Glaubenssätze dort, wo wir nicht oder noch nicht genügend gesichertes Wissen über eine Sache haben. Unser Modell von uns selbst und der Welt wird nie vollständig sein. Wir werden nie alle Informationen zur Verfügung haben, die es zu einer bestimmten Sache gibt, egal wie viel wir darüber bereits wissen. Dennoch müssen wir täglich unzählige Entscheidungen treffen. Um diese Lücke zu füllen, bilden wir Glaubenssätze um handlungsfähig zu bleiben.

Bei dem Wort Glauben können wir unterscheiden zwischen „glauben an“ und „glauben, dass“. „Glauben an“ bezieht sich meist auf religiöse Überzeugungen. Mit „glauben, dass“ bezeichnen wir Beliefs (Glaubenssätze). Das Folgende bezieht sich ausschließlich auf Beliefs.

Glaubenssätze als sich selbst erfüllende Prophezeiungen

Einmal gebildete Glaubenssätze funktionieren fortan als Wahrnehmungsfilter. Erfahrungen, die den jeweiligen Glaubenssatz bestätigen, werden verstärkt wahrgenommen. Erfahrungen, die dem Glaubenssatz entgegen stehen, werden entweder getilgt oder verzerrt.

Ein Beispiel:
Ein Mensch hat den Glaubenssatz gebildet, er sei nicht wirklich liebenswert. Dieser Glaubenssatz ist für ihn zum Mittelpunkt eines ganzen Glaubenssatzmoleküls geworden. Andere Glaubenssätze in seinem Glaubenssatzmolekül sind „Wenn andere Menschen mich freundlich behandeln, wollen sie mich nur übervorteilen.“ und „Eigentlich will mich niemand wirklich in seiner Nähe haben.“. Unsere Glaubenssätze beeinflussen unter anderem auch unseren Zustand (State) und unser Verhalten. Wenn jemand mit diesen Glaubenssätzen auf andere Menschen trifft, die es tatsächlich gut mit ihm meinen, wird er deren positives Verhalten ihm gegenüber entweder verzerren zu „Das macht er nur, weil er irgendwas von mir will, z. B. Geld, einen Gefallen, etc.“ oder tilgen indem er es gar nicht wahrnimmt.

Diese Glaubenssätze beeinflussen das Verhalten dieses Menschen auch in einer für die andere Person wahrnehmbaren Art und Weise. Wenn man ihm freundlich gegenüber tritt schaut er vielleicht mürrisch, weil er dahinter böse Absichten vermutet, etc. Dies wird auch von der anderen Person wahrgenommen, die irgendwann daraufhin mit ihrer Geduld am Ende sein wird und ihrerseits jetzt auch ihr Verhalten ändert und ihm weniger freundlich gesonnen ist. Dies wiederum ist für ihn eine Bestätigung seines ursprünglichen Glaubenssatzes, sodass hier eine kalibrierte Schleife entsteht, die zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann.

Verschiedene Ebenen von Glaubenssätzen

Glaubenssätze gehören meist einer der beiden Kategorien Glaubenssätze über sich selbst oder Glaubenssätze über die Welt an und können sich inhaltlich beziehen auf:

  1. Glaubenssätze über Bedeutung
  2. Glaubenssätze über Erwartungen
  3. Glaubenssätze über Grenzen
  4. Glaubenssätze über Konsequenzen
  5. Glaubenssätze über Möglichkeiten

Prozesse der Glaubenssatzbildung

Glaubenssätze werden durch die drei Gestaltungsprozesse Generalisierung, Tilgung und Verzerrung entweder aus eigenen Erfahrungen gebildet, oder von anderen übernommen und von der betreffenden Person als die Wahrheit erlebt. Beliefs sind meist Bestandteile von Glaubenssatzmolekülen.

Darüber hinaus lassen sich Glaubenssätze einer von zwei Strukturen zuordnen. Glaubenssätze sind entweder Ursache-Wirkungs- oder Bedeutungs- Verallgemeinerungen (Generalisierungen). Nach der Terminologie des Milton-Modells basieren Glaubenssätze also entweder auf einem Kausalnexus (A bewirkt B) oder einer komplexen Äquivalenz (A bedeutet B; A ist ein Zeichen für B).

Bei Glaubenssätzen ist es nicht wirklich wichtig, ob sie wahr sind oder nicht. Viel wichtiger ist, in welche Richtung sie uns bewegen oder mit anderen Worten, ob es nützlich ist, das zu glauben, was sie jeweils aussagen. In dieser Hinsicht haben sie viel mit manchen NLP Axiomen gemeinsam. Auch hierbei handelt es sich letztendlich um Glaubenssätze, von denen es nützlich ist, sie zu glauben, wenn man mit Menschen gemeinsam an ihrer Veränderung arbeitet.

Wohlgeformtheitskriterien für Glaubenssätze

Es gibt drei Wohlgeformtheitskriterien für die Bildung neuer Glaubenssätze.

  1. Glaubenssätze sollten positiv formuliert sein.
  2. Glaubenssätze sollten prozesshaft formuliert sein.
  3. Glaubenssätze sollten Beziehungs-Relationen enthalten.

Beispiel zu 1:
Statt: „Ich will nicht mehr so schüchtern vor Publikum sein.“
Besser: „Ich fühle mich wohl und voller Selbstvertrauen, wenn ich vor Publikum spreche.“

Beispiel zu 2:
Statt: „Ich habe ein perfektes Selbstvertrauen.“
Besser: „Ich vertraue mir selbst von Tag zu Tag immer mehr.“

Beispiel zu 3:
Statt: „Mein Selbstvertrauen wächst täglich.“
Besser: „Mein Selbstvertrauen im Umgang mit anderen Menschen wächst täglich.“

Anmerkung zu Punkt 3: Eine Beziehungsrelation muss nicht zwingend eine Ich-Du-Beziehung zwischen zwei oder mehr Menschen meinen. Wir stehen zu allem und jedem in Beziehung. So zum Beispiel auch zu einer Sache oder etwas Abstraktem wie unserem früheren Ich, etc. Dieser Punkt stellt über die Beziehungsrelation einen Kontext für den Glaubenssatz her.

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