Anker

Anker sind Reiz-Reaktions-Verknüpfungen. Sie gehen auf das klassische Konditionieren nach I. P. Pawlow (1849 – 1936) zurück. Pawlow trainierte Hunde, indem er parallel zur Futterexposition mit einem kleinen Glöckchen läutete. Nach einer gewissen Zeit hatte sich bei den Hunden eine Reiz-Reaktions-Verknüpfung gebildet und die Hunde reagierten auf die Glocke ebenso mit Speichelfluss, wie dies beim Futter der Fall war. Anker begleiten uns überall im Leben.

Beispielsweise riechen Sie ein spezielles Parfum, das Sie an eine vertraute Person erinnert oder hören einen ganz bestimmten Song im Radio, der regelmäßig in Ihrem letzen Urlaub lief und sind sofort in der dazu passenden Erinnerung und Stimmung. NLP macht sich mit dem Anker-Konzept genau diese Reiz-Reaktions-Verknüpfungen zunutze, indem es spezielle Techniken einsetzt, um alte negative Anker aufzulösen oder mit neu gesetzten positiven Ankern sicherzustellen, dass jemand in einem bestimmten Kontext Zugriff auf gewünschte Ressourcen bekommt.

Neurologisch betrachtet, lässt sich das Anker-Konzept mit dem so genannten Hebb’schen Gesetz erklären. Dies ist eine von dem Psychologen Donald Olding Hebb (1904-1985) erstellte Regel, die bestimmte Zusammenhänge zwischen neuronalen Netzwerken im menschlichen Gehirn und Lernen erläutert. Hebb gilt in Fachkreisen als der Vater der kognitiven Psychologie und war Professor für Psychologie an der McGill-Universität in Montreal, Kanada.

In seinem 1949 erschienenen Buch “The Organization of Behavior” formulierte Hebb:

“Wenn ein Axon der Zelle A […] Zelle B erregt und wiederholt und dauerhaft zur Erzeugung von Aktionspotentialen in Zelle B beiträgt, so resultiert dies in Wachstumsprozessen oder metabolischen Veränderungen in einer oder in beiden Zellen, die bewirken, dass die Effizienz von Zelle A in Bezug auf die Erzeugung eines Aktionspotentials in B größer wird.”

Dieser kompliziert klingende Zusammenhang wird am besten in dem englischen Satz “Neurons that fire together will wire together.” vereinfacht und bedeutet ins Deutsche übersetzt nichts anderes als dass neuronale Netzwerke, die gleichzeitig aktiv sind, sich miteinander verschalten und somit in Zukunft gleichzeitig aktiv sein werden.

Wenn Sie also beispielsweise als Kind einmal von einem Hund gebissen wurden und dabei Schmerz und Angst empfunden haben, dann ist es demnach sehr wahrscheinlich, dass Sie im Anschluss an dieses Erlebnis die Angst und den Schmerz mit diesem speziellen Hund verbinden. Sie haben also diese Gefühle an diesen Hund geankert und so reicht dann schon der Anblick dieses Hundes, um augenblicklich negative Assoziationen in Ihnen wachzurufen.

Genauso wahrscheinlich ist es, dass Sie dann dieses Erlebnis nicht nur mit diesem speziellen Hund geankert, sondern die Ursprungserfahrung generalisiert haben zu “große Hunde” sind gefährlich oder “Hunde einer speziellen Rasse” sind gefährlich, usw.

Das gleiche Prinzip wirkt natürlich auch im positiven Sinne. Wenn Sie zum Beispiel vor einiger Zeit einen richtig schönen Urlaub in Griechenland verbracht haben, so reicht es wahrscheinlich aus, dass jemand in Ihrer Umgebung das Wort Griechenland sagt und sie automatisch Zugang zu den daran geankerten guten Gefühlen bekommen.

Wichtig über Anker zu wissen ist noch, dass Sie ohne Wiederholung normalerweise mit der Zeit schwächer werden. Darüber hinaus können Anker auch kontaminiert werden. Dies ist der Fall, wenn an etwas für Sie Positives zusätzlich etwas Negatives geankert wird.

Angenommen, Sie haben einen Lieblingsplatz in Ihrem Garten und nun stirbt Ihr geliebter Hund eines Tages ausgerechnet genau dort. Höchstwahrscheinlich werden Sie diesen Ort in Zukunft nicht mehr in gleichem Maße genießen können, wie zuvor. Zumindest nicht, ohne dass sich autmoatisch Gedanken an den Verlust Ihres geliebten Hundes mit hereinmischen. Somit ist dieser Anker kontaminiert. Vorausgesetzt, Sie geben dem Ganzen eine negative Bedeutung. Wenn Sie sich jedoch stattdessen von Ihrem Lieblingsplatz im Garten, nachdem Ihr Hund dort gestorben ist, zusätzlich an all die guten Zeiten mit Ihrem Hund erinnern, könnte dies die positive Wirkung des Ankers noch verstärken.

Anker können auch gestapelt werden. So können zum Beispiel an ein und den gleichen Auslösereiz verschiedene gewünschte emotionale Zustände (States) geankert werden, die sich dann gegenseitig verstärken und potenzieren. Im NLP gibt es unzählige Formate, die sich direkt oder indirekt das Ankerkonzept zunutze machen. Ein besonders interessantes darunter ist das Format Collapsing Anchors.

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