Warum so viele Selbstheilungsversuche scheitern und wie es funktionieren kann

Warum so viele Selbstheilungsversuche scheitern

Selbstheilungsversuche (Selbstcoaching / Selbsttherapie) haben eine Grenze. Genau wie Coaching und Therapie mit einem professionellen Gegenüber. Mit der Silbe „Selbst-“ davor ist diese Grenze jedoch meist weitaus enger gezogen.

Klar. Uns fehlt dann die Spiegelung, ein authentisches Feedback und wir verlieren uns in unseren blinden Flecken. Das wissen viele und mussten es selbst erfahren. Nichts ist frustrierender, als ein Problem erkannt zu haben und es dennoch nicht lösen zu können.

Doch es gibt noch einen weiteren, weniger bekannten, aber keinesfalls weniger wichtigen Aspekt, an dem der Selbsthilfemarkt krankt, sobald die zu bearbeitenden Themen ein gewisses Gewicht überschreiten. Der Grund für das häufige Scheitern vieler Selbsthilfeversuche liegt nicht an der Fehlbarkeit der Anwender, sondern an einem Grundaspekt der Methode selbst. Es fehlt das Gegenüber, denn:

Wer in Beziehung krank geworden ist, wird sehr wahrscheinlich auch nur in Beziehung wieder gesund werden.

Gemeint ist hier die unbelastete Beziehung zu einem nicht involvierten und möglichst professionellen Gegenüber – einem guten Coach, einer guten Therapeutin oder meinetwegen auch eines seelsorgerischen Gartennachbarn – eines Mitmenschen auf Zeit, der uns heilsame Beziehungs!!!-Erfahrungen ermöglicht, die wir ausgleichend neben die alten verletzenden stellen können.

Der Mensch als soziales Wesen

Wir Menschen sind Herdentiere. Besonders als Neugeborene, Säuglinge oder Kleinkinder, sind wir zu 100% auf unsere Umwelt angewiesen, um überleben zu können.

Als Kinder haben wir feine Antennen dafür, welche unausgesprochenen Verhaltensregeln in unserer Herkunftsfamilie gelten. Welche Art von Verhalten erwünscht ist und was nicht geduldet wird. Wir passen uns daran an, um emotional überleben zu können.

Auch wenn wir manchmal oberflächlich rebellieren – unterschwellig versetzt uns unser Herdentrieb in heftige Angst, wenn wir befürchten, die Zustimmung unserer Eltern zu verlieren. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die aus dem Familienstellen bekannten systemischen Gesetze. (mit Vorbehalt)

Diese Anpassungsleistung ist für unsere Sozialisation und unser Einfügen in eine Gesellschaft sicherlich wichtig, läuft jedoch selten ohne emotionale Blessuren ab. Das gilt selbst dann, wenn keine schwerwiegenden Störungen im Elternhaus vorliegen.

Denn je mehr wir uns anpassen (müssen), desto eher und nachhaltiger werden wir in unseren Beziehungsbedürfnissen verletzt. In der Folge gehen wir oft mit einem Mangel in diesem Bereich durchs Leben. Dann haben wir ein „Beziehungsbedürfnis-Defizit“ und entwickeln „kompensatorische Beziehungsbedürfnisse".

Prägungen - Immer sind andere beteiligt

Darüber hinaus gibt es natürlich auch außerhalb des elterlichen Nests viele Situationen, die unsere Seele belasten und unser Selbstbild prägen.

Ganz oben auf der Hitliste stehen hier negative Erfahrungen in der Schule und im Freundeskreis, die oft mit Ausgrenzung und Beschämung einhergehen.

Alle diese Prägeerfahrungen finden immer im Zusammenspiel mit anderen Menschen statt. Eher früh als spät ziehen wir Schlüsse aus den Erfahrungen, die wir mit anderen gemacht haben und den Dingen, die man uns immer wieder über uns gesagt hat.

Aufgrund dieser Erlebnisse versuchen wir unseren sozialen Standpunkt im Rudel zu finden. Alphatier oder Omegatierchen?

Beliebt bei jedermann oder die ewige Außenseiterin? Der erste, der in die Mannschaft gewählt wird oder der, der eben übrig bleibt? Wo genau ist unser Platz in der Hackordnung?

Die Botschaften, die uns andere durch ihr Tun und Unterlassen über uns selbst gegeben und die Rückschlüsse, die wir daraus gezogen haben, werden früher oder später zu Glaubenssätzen, die wir über uns selbst, die Anderen und die Welt an sich bilden.

Mit ihnen suchen und gestalten wir immer wieder unseren Platz in der Gesellschaft.

Heilung findet in Beziehung statt

All das muss nicht unbedingt ein Los für die Ewigkeit sein. Sowohl für die Änderung von Glaubenssätzen, als auch für den Umgang mit kritischen inneren Stimmen gibt es heute hervorragende Methoden und Techniken, die oft (nicht immer) ziemlich schnell verblüffende Resultate erzielen.

NLP (Neurolinguistisches Programmieren) hält hierfür zum Beispiel eine reichlich gefüllte Schatztruhe bereit.

Besonders sinnvoll ist diese Art der Arbeit am eigenen Selbstwertgefühl, Selbstbild und Selbstvertrauen, wenn auch die in unserem „Emotionsgehirn“ (limbisches System) gespeicherten verletzenden Erfahrungen der eigenen Lebensgeschichte aufgearbeitet werden.

Hierfür eignen sich z. B. hervorragend die einzelnen Techniken des ROMPC®.

Ein wesentliches Wirkelement dieser Form der emotionalen Arbeit ist das Ermöglichen heilsamer (korrektiver) Beziehungserfahrungen mit dem jeweiligen Coach oder Therapeuten (Professional).

Diese Beziehungserfahrungen werden in einem Umfeld starken Rapports “antithetisch” gestaltet. Das bedeutet, sie stehen in genauem Gegensatz zu der ursprünglichen negativen Erfahrung.

Auf diese Weise kann durch angemessene therapeutische Interventionen das alte destruktive Glaubenssatzmolekül nicht mehr für sich allein stehen und verliert damit an Gültigkeit.

Es büßt sozusagen seinen Allmachts- und Alleinherrschaftsanspruch ein. Denn ihm gegenüber stehen nun neue, heilsame Erfahrungen, die die ursprünglichen negativen Erlebnisse relativieren.

Diese korrektiven Erfahrungen zeigen, dass auch das genaue Gegenteil zur ursprünglichen negativen Prägeerfahrung möglich ist.

Selbsthilfe scheitert oft an diesem Punkt

Viele Selbsthilfeverfahren scheitern immer wieder daran, dass die reine Arbeit mit sich selbst ohne Einbeziehung eines Gegenübers nur bis zu einem gewissen Punkt gehen kann.

Abgesehen von den typischen blinden Flecken, die man bei sich selbst hat, fehlt einfach der Aspekt der Beziehungerfahrung zu einem Gegenüber.

Was in Beziehung zu einem Gegenüber schief gegangen ist, kann ich nur bedingt mit mir selbst wieder lösen. Diese alten Themen müssen erneut in Beziehung gebracht und dort liebevoll aufgefangen werden.

Dies kann beispielsweise durch jemanden aus dem eigenen Umfeld geschehen. Da die uns nahestehenden Menschen jedoch keine neutrale Position uns gegenüber haben und meist sowohl ihre eigene Geschichte als auch Aspekte unserer gemeinsamen Beziehungshistorie mit einbringen, eignen sie sich nur bedingt für diese Form der korrektiven Beziehungserfahrungen. Zumal ihnen meist der therapeutische Hintergrund fehlen dürfte.

Außerdem verletzt es die hierarchische Ordnung in einem System, wenn einer plötzlich den anderen coachen oder therapieren möchte. Das gilt selbst dann, wenn derjenige eine therapeutische Ausbildung hat und eigentlich fachlich qualifiziert wäre.

Selbsthilfe wirkt auf viele Menschen dennoch sehr attraktiv. Nicht selten ist es eine Kostenfrage und noch häufiger steht die Angst, sich einem Fremden gegenüber zu offenbaren, im Weg.

Besonders Menschen, die aufgrund ihrer bisherigen Lebenserfahrungen unter dem Einfluss eines inneren Antreibers (überzogener Selbstanspruch) nach Stärke stehen, glauben meist, sie müssten alles im Leben allein schaffen und Hilfe sei für sie ohnehin nicht drin.

Das ist aus der Lebensgeschichte der Betroffenen nur allzu gut nachvollziehbar und stellt dennoch einen Lösungsversuch im alten Paradigma dar. Es ist ein Lösungsversuch nach dem Motto „mehr desselben“. Doch leider gilt hier:

Mehr vom Selben, das nichts bringt, bringt nicht mehr.

Über die inneren Antreiber kannst Du hier weiterlesen: Intrapsychischer Stresszirkel

Aus den genannten und weiteren Gründen lohnt es sich also manchmal, einen guten Professional hinzuzuziehen.

Dieser kann dann als nährende und „geliehene Elternfigur auf Zeit“ hilfreiche korrektive Beziehungserfahrungen anbieten, und die alten Beziehungsbedürfnis-Defizite auffüllen.

Aus diesem Grund suchen sich gute Therapeuten und Coaches auch für die Bearbeitung ihrer eigenen Themen einen passenden Professional.

Sie wissen um diesen Zusammenhang und nutzen sie für ihre eigene Entwicklung. Denn in Psychotherapie und Coaching gilt der Grundsatz:

Man kann seine Klienten maximal bis zu dem Punkt begleiten, bis zu dem man in seiner eigenen Entwicklung vorgedrungen ist.

Mehr darüber, wie unsere Prägeerfahrungen unser Selbstbild beeinflussen, sowie weitere wissenswerte Hintergründe, erfährst Du übrigens in meinem E-Book zum Thema Selbstwertgefühl.

Wenn das Gesagte für Dich interessant klingt und Du eigene Themen hast, an denen Du mit meiner Hilfe arbeiten möchtest, kannst Du Dich hier tiefergehend über die Methode informieren und wenn Du möchtest, auch einen Termin für ein kostenloses und unverbindliches Vorgespräch vereinbaren: Emotionale Blockaden lösen

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