Wenn Gefühle lügen – Stufen emotionaler Entfremdung

Emotionale Entfremdung

Emotionale Entfremdung ist ein Prozess, in dessen Verlauf wir uns immer mehr von unseren wahren Gefühlen abschneiden.

Wenn …

  • wir als Kinder wiederholt emotional zurückgewiesen werden,
  • unsere Anliegen nicht für voll genommen werden, weil wir ja „nur Kinder“ sind,
  • unser Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit missachtet wird,
  • man uns emotionale Kerben schlägt,

erklären wir irgendwann unsere Gefühle zum Feind.

Über unsere eigentlichen Emotionen stülpen sich dann Ersatzgefühle, die unser wahres Fühlen zudecken. So müssen wir auch nicht mehr die Hilflosigkeit und Ohnmacht wahrnehmen, die mit der ursprünglichen Situation einhergingen.

Als Kinder sind wir schutz- und hilflos und vollkommen auf die Fürsorge unseres Umfelds angewiesen.

Wir konnten uns nicht entziehen und auch nicht auf die anderen verzichten. Zu sehr haben wir sie gebraucht. Wenn wir ihnen und ihrem verletzenden Verhalten nicht aus dem Weg gehen konnten, blieb oft nur der innere Rückzug.

Nach außen wirken wir dann vielleicht souveräner als jemand, der seinen Schmerz offen zulässt. Es mag so aussehen, als könnten uns andere nichts anhaben oder mit ihren Attacken nicht treffen. Innerlich beschneiden wir uns jedoch um eine ganze Dimension des Menschseins.

In fortgeschrittenen Stadien verzichten wir ganz darauf, Ansprüche an andere zu stellen oder eigene Wünsche zu äußern. Nach dem Motto:

Wenn ich nichts will, kann ich auch nicht enttäuscht werden.

Besonders deutlich wird dies manchmal in dysfunktionalen Partnerschaften.

Der Partner, der keine Bedürfnisse mehr erkennen lässt, schließt sich damit hermetisch ab. Er wird für den anderen unerreichbar.

Der Weg in die emotionale Entfremdung ist lang. Selten ist es eine einzige schlimme Erfahrung, die dazu führt, dass sich ein Mensch von seinen wahren Gefühlen entfremdet.

Es ist ein langer innerer Kampf, bis wir emotional gebrochen sind und uns in unser Schicksal ergeben. Resignation kommt nicht über Nacht.

Verstärkt wird die emotionale Entfremdung häufig durch Erfahrungslernen.

Wenn wir als Kinder bemerken, dass wir eher Aufmerksamkeit bekommen, wenn wir weinen oder schreien, können sich daraus schnell unbewusste Verhaltensmuster entwickeln.

Sie begleiten uns oft ein ganzes Erwachsenenleben lang. Diese Muster sind keine willkürlichen Manipulationsversuche.

Sie sind einfach die Spiegelung unserer frühen Prägeerfahrungen.

Wenn ein Kind nur dann in seinen emotionalen Bedürfnissen angemessen beantwortet wird, wenn es vor Schmerz fast vergeht, kennt es oft auch als Erwachsener einfach keinen anderen Weg, um die emotionale Zuwendung zu bekommen, die wir alle so dringend benötigen.

Erst wenn diese Muster bewusst gemacht und der dahinter stehende Schmerz geheilt ist, können neue Wege erlernt werden, direkt mit dem Wunsch nach Stillung unserer emotionalen Bedürfnisse an unser Umfeld heranzutreten.

Denn wenn wir einen Schmerz erleiden oder uns etwas fehlt, ist es unser natürlicher Impuls, damit nach außen zu gehen und unser Bedürfnis in Beziehung zu bringen.

Der erste Schrei des Säuglings ist ein Schrei nach Beziehung.

Wir signalisieren damit, dass wir etwas brauchen, weil uns etwas fehlt.

Werden wir mit unserem geäußerten Bedürfnis von unserer Umwelt angemessen beantwortet, entspannen und beruhigen wir uns. Im gegenteiligen Fall eskaliert unser Stress zunehmend.

Tritt dies wiederholt auf, ist es meist der Anfang der emotionalen Entfremdung.

Sie nimmt dabei oft einen typischen Verlauf von einer niedrigeren zur nächst höheren Stufe. Nicht alle Menschen durchlaufen alle Phasen der emotionalen Entfremdung. Wie bereits beschrieben finden auch hier besonders in unserer Kindheit Lernprozesse statt.

Ein Kind, das früher immer dann angemessen beachtet wurde, wenn es sich wütend und ärgerlich verhalten hat, wird auch als Erwachsener nur selten weiter als bis zu dieser Stufe gehen. Vorausgesetzt, der emotionale Stress nimmt nicht überhand.

Wurde ein Mensch wiederholt erst dann angemessen beantwortet, wenn er sich in Tränen der Traurigkeit aufgelöst hatte, so wird er mit einiger Wahrscheinlichkeit später bei entsprechendem Stress direkt mit Traurigkeit auf ein ungestilltes Bedürfnis reagieren.

Und zwar noch bevor er sein eigentliches Bedürfnis geäußert und seinem Umfeld überhaupt die Chance gegeben hat, es zu erfüllen.

Aufmerksamkeit ist für uns (Über)lebenswichtig.

Je jünger wir sind, desto mehr. Wir müssen wissen, dass man sich um uns kümmert, wenn wir schreien, weinen oder anders unsere Bedürfnisse äußern.

Würde unsere Mutter nicht kommen, wenn wir auf uns aufmerksam machen, könnten wir sterben. Kinder, die keine angemessene positive Aufmerksamkeit bekommen konnten, lernen dann, wie sie negative Aufmerksamkeit bekommen.

Denn negative Aufmerksamkeit ist allemal besser als gar keine.

Lieber geschlagen, als gar nicht beachtet zu werden.

So manche Rüpelkarriere lässt sich daraus erklären.

Genug der Vorrede.

Der Weg in die emotionale Entfremdung

Hier erstmal ein stark vereinfachtes Schaubild, das ich gleich noch näher erkläre. Wenn’s Dir zu klein ist, klick‘ einfach drauf.

Schema emotionale Entfremdung

Bleibt die Antwort unseres Umfeldes auf die Äußerung unseres Bedürfnisses aus, oder kommt nicht in angemessener Form, eskaliert unser innerer Stress. Wir drehen stufenweise höher, um unserem ungestillten Bedürfnis Ausdruck zu verleihen und Gehör zu verschaffen.

Werden wir dann auf einer dieser Eskalationsstufen endlich adäquat beantwortet, machen wir gleichzeitig die Lernerfahrung, dass wir uns auf diese Weise verhalten müssen, um zu bekommen, was wir brauchen.

Keine Entfremdung – Der Idealfall

Wenden wir uns mit unserem Schmerz über ein ungestilltes Bedürfnis an unsere Umwelt und werden angemessen beantwortet, entwickeln wir keine emotionale Entfremdung.

Das Grundschema ist hier:

 Ungestilltes Bedürfnis –> Stress –> angemessene Beantwortung –> Entspannung 

Beispiel:

Wenn ein Baby Hunger hat und nach seiner Mutter schreit, dann besteht ein ungestilltes Bedürfnis, aus dem emotionaler Stress entsteht.

Erlebt das Baby nun wiederholt und verlässlich, dass seine Mutter auf sein Signal hin zu ihm kommt und sein Bedürfnis nach Nahrung stillt (das Baby in seinem geäußerten Bedürfnis angemessen beantwortet), entspannt es sich.

Es hat erlebt und verinnerlicht, dass sein Umfeld auf sein primär geäußertes Bedürfnis angemessen reagiert. Es gibt keinen Grund für eine emotionale Entfremdung.

1. Stufe: Ärger und Wut

Erfahren wir auf die Äußerung unseres primären Bedürfnisses keine angemessene Reaktion, steigt unser Stresslevel und wir eskalieren auf die nächst höhere Ebene: die 1. Stufe emotionaler Entfremdung.

Gefühle dieser Stufe sind ÄrgerWutAggression. Diese Emotionen überdecken den Schmerz unseres ungestillten Bedürfnisses und sollen gleichzeitig unserem Umfeld deutlich machen, wie ernst es uns mit unserem Anliegen ist.

Aggressive Gefühle sind aktivierend und expansiv. Sie drängen nach außen und fühlen sich bei weitem nicht so hilflos an, wie die Ohnmacht und Verzweiflung über unser ungestilltes Bedürfnis.

Gleichzeitig sollen sie unser Gegenüber veranlassen, seine Haltung zu verändern. Wir werden auf dieser Stufe ziemlich ungemütlich.  Unsere aggressiven Gefühlsäußerungen sollen dem anderen Stress bereiten und dadurch das Verharren auf seiner Verweigerungshaltung für ihn unattraktiver machen.

Das Grundschema sieht hier so aus:

 Ungestilltes Bedürfnis –> Stress –> mangelnde Beantwortung –> mehr Stress –> Ärger und Wut 

Beispiel:

Ein sechsjähriger Junge steht mit seiner Mutter an der Supermarktkasse. Natürlich sind dort geschickt allerlei Leckereien präsentiert. Die Supermarktbetreiber sind nicht doof.

Sie wissen, dass dies die Wünsche der Kinder stimuliert und zu Diskussionen mit den Eltern führt. Der Junge sieht seinen Lieblings-Schokoriegel im Regal und verspürt plötzlich große Lust, ihn zu essen. In ihm entsteht ein ungestilltes Bedürfnis.

Dies trägt er an seine Mutter heran, indem er sie ganz einfach bittet, ihm einen Schokoriegel zu kaufen. Die Mutter bleibt jedoch hart und verweigert ihm die Erfüllung seines Bedürfnisses.

Dadurch wird das Verlangen des Jungen nur noch größer (der innere Stress steigt). Er wird ärgerlich und wütend auf seine Mutter und beginnt, diesen Ärger auch zu zeigen.

Er stampft mit dem Fuß auf und macht mächtig Theater. Schließlich gibt die Mutter nach, weil ihr die Szene vor den anderen Supermarktkunden peinlich ist. Sie beantwortet also nun doch sein Bedürfnis. Der Junge hat etwas gelernt:

„Wenn ich nur wütend und ärgerlich genug werde, bekomme ich am Ende, was ich will und brauche.“

2. Stufe: Traurigkeit

Bleibt auch auf Stufe 1 eine angemessene Beantwortung aus, werden wir traurig. Die Trauer überdeckt dann sowohl den Ärger über die Nichterfüllung unseres ursprünglichen Bedürfnisses, als auch das ursprüngliche Bedürfnis selbst.

Haben wir als Kinder erlebt, dass man nur auf uns reagiert, wenn wir traurig sind, entstehen daraus wieder Lernerfahrungen für das spätere Leben.

Wir haben dann begriffen, dass wir erst richtig traurig werden müssen, um zu bekommen, was wir brauchen.

So jemand überspringt später meist die Stufe des Ärgers und wendet sich bei einem auftretenden Bedürfnis gleich mit geäußerter Traurigkeit an seine Umwelt.

Das Grundschema hier sieht so aus:

 Ungestilltes Bedürfnis –> Stress –> mangelnde Beantwortung –> mehr Stress –> Ärger und Wut –> erneute mangelnde Beantwortung –> noch mehr Stress –> Traurigkeit 

Beispiel:

Bleiben wir bei dem Jungen an der Supermarktkasse. Erfährt dieser nun wiederholt, dass er auch mit seinem Ärger nicht weiterkommt, wird er schließlich irgendwann traurig.

Viele Eltern können die Traurigkeit ihres Kindes nicht ertragen.

Außerdem hat die Mutter in unserem Beispiel vielleicht die Befürchtung, wenn sie auf das Weinen und Flehen ihres Sohnes nicht eingeht, vor den anderen Kunden als Rabenmutter dazustehen.

Der empfundene soziale Druck auf die Mutter steigt. Es wird schwieriger für sie, bei ihrer Verweigerungshaltung zu bleiben.

Deshalb entschließt sie sich, jetzt doch nachzugeben und das Bedürfnis ihres Sohnes zu beantworten. Der Sechsjährige hat gelernt:

Wenn ich richtig traurig bin, bekomme ich, was ich brauche.“

3. Stufe: Resignation / Depression

Müssen wir wiederholt feststellen, dass selbst unsere Traurigkeit nichts bewirkt; dass all unsere Versuche, von unserem Umfeld in unseren Bedürfnissen beantwortet zu werden, ergebnislos bleiben, stecken wir irgendwann auf und resignieren.

Ziehen uns in unsere Innenwelt zurück. Der Außenwelt begegnen wir immer teilnahmsloser.

Geben uns Tagträumen hin und erwarten nicht mehr viel vom Leben. Von anderen schon gar nicht. In der Resignation stellen wir kaum noch Ansprüche an unsere Umwelt.

„Wenn ich nichts erwarte, kann ich auch nicht verletzt werden.“

Auf dieser Stufe begleiten uns Gefühle der GefühllosigkeitTaubheitTeilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Wer sich auskennt, entdeckt darin viel Ähnlichkeit mit den Beschreibungen einer klassischen reaktiven Depression.

Resignation und Depression haben viele Gemeinsamkeiten. Resignation kann sich jedoch auch verdeckt äußern. Eine Möglichkeit ist hier übertriebene Heiterkeit.

So manche überdrehte „Betriebsnudel“ steckt in Wahrheit tief in der Resignation. Die Psychopathologie kennt ja auch verschiedene Formen der Depression.

Beispielsweise die „agitierte Depression“. Hier versteckt sich die Depression hinter übertriebener Aufgedrehtheit und Betriebsamkeit und unechter Heiterkeit.

Übersteigertes Selbstmitleid kann ebenfalls eine Form getarnter Resignation sein.

In der Resignation fragen wir erst gar nicht mehr nach dem „Schokoriegel“, weil wir nichts mehr erwarten.

Das Grundschema auf der dritten Stufe ist:

 Ungestilltes Bedürfnis –> Stress –> mangelnde Beantwortung –> mehr Stress –> Ärger und Wut –> erneute mangelnde Beantwortung –> noch mehr Stress –> Traurigkeit –> erneute mangelnde Beantwortung –> noch mehr Stress –> Resignation 

4. Stufe: Psychosomatik

Wenn der Stress, der durch psychische Konflikte auf den Körper einwirkt, mit der Zeit zu körperlichen Symptomen führt oder aus der Psyche in den Körper abgeschoben wird, befinden wir uns auf der 4. Stufe emotionaler Entfremdung.

Dies kann als direkte Folge des Dauerstresses geschehen, oder im Sinne eines Abwehrmechanismus, wie ihn bereits Sigmund und Anna Freud definiert haben.

Hier dann als eine von zwei Möglichkeiten:

  1. Konversion: Ein ursprünglich psychischer Konflikt wird auf körperliche Symptome verlagert. Diese stehen in einer symbolischen Beziehung zum verborgenen Konflikt. Ein Beispiel wäre der früher gebräuchliche Begriff „hysterische Lähmung“.
  2. Somatisierung: Ein ursprünglich psychischer Konflikt wird nicht psychisch, sondern in Form körperlicher Symptome wahrgenommen. Diese haben jedoch im Gegensatz zur Konversion keinen Ausdrucksgehalt, also keinen Symbolbezug zum zugrunde liegenden psychischen Konflikt.

Die oben angeführten Beispiele sind übrigens absichtlich sehr banal gewählt. Sie sollen auch nicht als Erziehungsratschläge fehlgedeutet werden.

Mir ging es nur darum, die hinter dem Prinzip der emotionalen Entfremdung wirkenden Dynamiken anschaulich zu machen. Im wahren Leben geht es um mehr, als nicht gewährte Schokoriegel. Aber das dürfte sich von selbst erklären.

Wie werden emotionale Bedürfnisse angemessen beantwortet?

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir, sobald uns jemand die Erfüllung eines Bedürfnisses verwehrt, in die emotionale Entfremdung abrutschen. Das ist nicht der Fall.

Entscheidend ist die emotionale Zugewandtheit, nicht so sehr die Erfüllung oder nicht Erfüllung unseres ursprünglichen Wunsches.

Das wird Dich sicher besonders interessieren, wenn Du selbst Kinder hast.

Wir müssen einfach nur spüren, dass wir in unserem Bedürfnis angemessen wahrgenommen werden. Empathie ist hier das Schlüsselwort.

Wenn Du Deinem Kind zugewandt erklärst, warum Du seinem Wunsch nicht entsprechen wirst, machst Du alles richtig. Selbstverständlich wird es nicht begeistert sein, wenn es den Schokoriegel, das neue Spielzeug oder was auch immer nicht bekommt.

Aber das ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass es sich gesehen fühlt in seinem Bedürfnis, auch wenn ihm mal aus Vernunftgründen nicht entsprochen wird.

„Jonas, ich weiß, dass Du noch einen Schokoriegel möchtest. Das kann ich sogar verstehen. Manchmal habe ich auch das Bedürfnis danach, so viele Schokoriegel zu futtern, bis ich platze.

Erinnerst Du Dich noch an unser Gespräch vom Donnerstag? Als wir gesagt haben, Du bekommst zwei Schokoriegel pro Woche, weil Schokoriegel schlecht für die Zähne sind und es Papa und mir am Herzen liegt, dass Du gesund bleibst und keine Zahnschmerzen bekommst?

Schau mal, Du hattest Montag einen und Mittwoch auch. Heute ist Samstag. Das heißt, Du hattest Deine beiden Schokoriegel für diese Woche schon. Erinnerst Du Dich?

Noch zweimal schlafen, dann bekommst Du gerne den nächsten. Dann auch einen richtig Großen, wenn Du magst. Einverstanden?“

Vielleicht ist Jonas trotzdem nicht einverstanden und macht weiterhin Theater. Bei einem sechsjährigen entwicklungspsychologisch gesehen gar nicht so unwahrscheinlich.

Aber mit Sicherheit wird er, wenn seine Eltern auf diese Weise zugewandt bleiben, später kein Problem mit emotionaler Entfremdung entwickeln.

Emotionen sind kein verlässlicher Gradmesser für den Fortschritt eines Heilungsprozesses

Aus dem oben gesagten ergibt sich, dass unsere emotionale Befindlichkeit kein zuverlässiger Gradmesser für den Erfolg eines Coaching- oder Therapieprozesses sind.

Angenommen, jemand war in bestimmten Situationen auf Stufe 2 (Traurigkeit) festgefroren und bemerkt nun, dass in ihm eine ungeheure Wut aufsteigt, die er nie zuvor bewusst wahrgenommen hat.

Dann wird er sich subjektiv dadurch nicht unbedingt besser fühlen. Im Gegenteil. Diese unbekannten Gefühle können uns eine Scheißangst einjagen.

Aus Prozesssicht gesehen ist derjenige jedoch gerade dabei, sich durch seine Schichten emotionaler Entfremdung zu seinen wahren Bedürfnisse und Gefühle hindurchzuwühlen.

Es wird dadurch fähig, mehr aus seinem wahren Kern heraus zu leben.

Diese Zusammenhänge sollte man kennen, wenn man mit menschlichen Entwicklungsprozessen zu tun hat. Egal ob als Berater, Klient, Elternteil oder Ehepartner.

11 KOMMENTARE

  1. Hallo Andreas,
    ich finde mich wieder in dem was du schreibst. Meine Frage ist wie komme ich aus dem Teufelskreis wieder raus?
    Ich bin immer solange ich denken kann auf der Suche nach Liebe und Annerkennung und meistens geht es nach hinten los. Ich treffe immer die falschen Partner die meine Gutmütigkeit letzten endes ausnutzen und mir damit auch meine Energie rauben. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und heule immer noch wie ein kleines Kind und manchmal denke ich auch ich verhalte mich wie ein kleines Kind. Ich lasse zuviel mit mir machen und wehre mich nicht. Ich wüßte gerne einen Weg wie ich da raus komme und endlich mit mir glücklich bin.
    Liebe Grüße
    Heike

    • Hallo Heike,
      es tut mir leid zu lesen, dass Du Dich darin wiederfindest. Meines Erachtens ist es sinnvoll in einer geeigneten Therapie den Weg da heraus zu finden. Für mich gilt der Grundsatz „Wir sind in Beziehung krank geworden, also können wir auch nur in Beziehung wieder gesund werden“. In diesem Fall dann mit einem Therapeuten oder Coach an Deiner Seite, der Dir ermöglicht, in einer tragenden Beziehung neue Erfahrungen zu machen, die die ursprünglichen und verletzenden Beziehungserfahrungen ein Stück weit relativieren, weil sie heilsame (korrektive) Beziehungserfahrungen gleichrangig neben die alten setzen. Hierzu gibt es viele gute Ansätze. Zum Beispiel aus dem Bereicht der Transaktionsanalyse. Ich persönlich nutze hierfür am liebsten ein Verfahren mit dem Namen ROMPC. Hierbei handelt es sich um ein integratives Verfahren, das verschiedene Ansätze aus der Transaktionsanalyse, der humanistischen Psychologie, der Traumatherapie usw. miteinander zu einem schlüssigen Gesamtkonzept kombiniert. Wenn Dich das interessiert, findest Du hier mehr darüber: ROMPC.

      So oder so wünsche ich Dir, dass Du den richtigen Weg für Dich findest und heilen darf, was heilen will.

      Herzliche Grüße,
      Andreas

  2. Es gibt noch 5. Das ‚enfant terrible‘, das Kind, dass gelernt hat, die Aufmerksamkeit bewusst auf sich zu lenken, indem es permanent extreme Dinge tut, im positiven wie im negativen Sinne, und damit Eltern/bzw. später den/die Partner/in ständig auf Trab hält.

  3. mmh bei Kindern oder jungen Erwachsenen kann man bestimmt noch etwas ändern, also helfen. Aber bei Menschen die 50 und älter sind, ist doch alles manifestiert. Da bräuchte man doch 20 Jahre um wieder auf die Spur zu kommen..oder?? Also ab einem break even point gibt es kein zurück, für den Betroffenen wäre dann die Aussichtslosigkeit die Zukunft..wer dass dann nicht erträgt… wünscht sich den Schmerz des sterbens….also was tun..

    • Hallo Andreas,

      worauf beruht Deine Annahme, dass bei Menschen 50 oder älter nichts mehr zu machen wäre? Neurologisch betrachtet ist es immer das Nervensystem, das umlernt. Und bezogen auf unsere Thematik unterscheidet sich das Nervensystem eines 60 Jährigen (sofern keine neurodegenrativen Erkrankungen vorliegen natürlich) nicht wesentlich von dem eines 20 Jährigen.

      LG Andreas

  4. Wenn ich nichts will, kann ich auch nicht enttäuscht werden!
    Dieser o.g. Satz trifft voll und ganz auf mich zu!!! Ich lebe mittlerweile danach, weil ich den innerlichen Schmerz einfach nicht mehr ertragen kann. Es ist ein einsames Leben in gewisser Weise, aber ich kann dieses Gefühl enttäuscht werden nicht mehr ertragen, es zerreist mich innerlich und wer diesen Schmerz selber noch nicht erlebt hat, kann es schwer nachvollziehen.

    • Hallo Nicole,

      es tut mir leid, dass es Dir so geht. So etwas entsteht nicht im Vakuum und es hat sicher lange gebraucht, bis Du an diesen Punkt gekommen bist, Dich durch das Aufgeben von Erwartungen vor Enttäuschungen schützen zu müssen. Wie lange geht das schon, wenn ich fragen darf und welche anderen Wege, mit Deinem Schmerz umzugehen, hast Du bisher gefunden oder probiert?

      Liebe Grüße,
      Andreas

  5. Hallo Andreas,
    nein so etwas entsteht nicht im Vakuum. Es hat in meiner Kindheit(5 Jahre) damit angefangen und sich wie ein Faden durch mein Leben gezogen. Es könnte auch früher sein, aber mir fehlen die ersten 5 Lebensjahre im Gedächtnis warum auch immer.
    Ich habe schon stationäre Klinikaufenthalte hinter mir, sowie Therapien.
    Mittlerweile versuche ich den innerlichen Schmerz nicht mehr an mich ran zu lassen, man kann auch sagen ich unterdrücke es.

    • Hallo Nicole,

      vielen Dank für den authentischen Einblick. Ich weiß diese Offenheit zu schätzen. Hier jetzt zu versuchen, vorschnelle Lösungswege aufzuzeigen oder Ratschläge nach dem Motto „probiere mal das hier“ zu machen, liegt mir fern. Es würde Deiner Situation nicht gerecht werden. Was ich Dir aber sagen möchte, ist, dass ich Dir aufrichtig wünsche, dass Dein momentaner Zustand nicht auf Dauer bleibt und Du Wege findest, den gespeicherten Schmerz vergangener Beziehungserfahrungen zu versorgen und das Vertrauen zurückgewinnst, von anderen und vom Leben wieder mehr erwarten zu können. Alles Gute für Deine Reise, auf der jetzige Augenblick eine Momentaufnahme ist.

      Liebe Grüße,
      Andreas

  6. Lieber Andreas,

    mit großem Interesse habe ich deinen Artikel gelesen, denn er beschreibt zumindest ähnlich den Gefühlszustand, in dem ich mich aktuell befinde.
    Ich habe versucht mich zu Gefühlen für meinen Ex-Partner zu zwingen, bis ich es körperlich nicht mehr ausgehalten habe (ging einher mit einem großen Selbstwertverlust). Daraus ist ein Sorgengefühl geworden , was sich vor alle positiven Gefühle schiebt, als würde ich es mir nicht mehr erlauben glücklich zu sein. Die negativen Gefühle kommen komischerweise noch durch. Ich habe Angst, da nicht wieder herauszukommen (ohne positive Emotionen macht das Leben keinen Spaß), zumal es im Internet darüber fast nichts zu lesen gibt und somit sich für mich auch keine Lösung aufzeigt.
    Liebe Grüße,
    Katja

    • Liebe Katja,

      es tut mir leid zu erfahren, dass Du derzeit solch eine Situation und die damit einhergehenden belastenden Gefühle erleben musst. Ich wünsche Dir, dass Du da schnell wieder heraus kommst und etwas von Wert aus dieser Phase für Dich mitnehmen kannst, das es Dir ermöglicht, zukünftig nicht mehr in ähnliche Situationen zu geraten oder sie, falls doch, zumindest noch besser bewältigen kannst.

      Liebe Grüße,
      Andreas

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