Der ursprünglich negative Vaterkomplex der Frau – Ich genüge nicht

Der ursprünglich negative Vaterkomplex bei Frauen

Töchter mit einem negativen Vaterkomplex haben es schwerer und leichter zugleich, als solche mit einem ursprünglich positiven Vaterkomplex. Ist natürlich eine grobe und dazu noch paradoxe Verallgemeinerung, ist mir klar. Gemeint ist damit Folgendes:

Während Frauen mit einem ursprünglich positiven Vaterkomplex es häufig genießen, dem Vater zu gefallen, in seiner Anerkennung zu schwelgen, ihm nachzueifern, usw. haben sie solange diese Komplexkonstellation für sie funktioniert, wenig Bedürfnis und Motivation, sich aus dem Schatten des Vaters zu lösen und ihr eigenes zu entwickeln.

Tun sie es dann doch, merken sie erst, wie sehr sie auf den Vater bezogen waren. Da sie häufig mit ihrer eigenen Mutter oder Frauen ganz allgemein wenig anfangen und wenig erstrebenswerteres daran entdecken können, fällt es ihnen in der Regel schwerer, nach dem Ablösen vom Vaterkomplex in die weibliche Rolle zu finden.

Anders bei Frauen mit ursprünglich negativem Vaterkomplex. Hier ist häufig die weibliche Rolle nicht im gleichen Maße entwertet und ein späterer Zugang zum eigenen Weiblichen scheint leichter zu finden. Wie gesagt, eine grobe Verallgemeinerung. Ausnahmen gibt es natürlich immer und nicht gerade wenige.

In dieser Artikelserie versuche ich ohnehin nichts anderes, als eine stark verallgemeinerte Annäherung anhand einiger Beispiele an ein extrem komplexes und hoch individuelles Thema. Mir geht es hier nicht um Stigmatisierung, sondern lediglich darum, dass eine Idee von dem ganzen Konzept der Elternkomplexe vermittelt wird.

Was sich davon für Dich passend und stimmig anfühlt, kannst Du für Dich nutzen. Den Rest verwirf bitte gleich wieder.

In jedem Fall sind die Folgen, unter einem negativen Elternkomplex des gegengeschlechtlichen Elternteils zu stehen meist leichter zu bewältigen, als wenn Töchter einen negativen Mutter- und Söhne einen negativen Vaterkomplex haben. Das liegt daran, dass Eltern auch immer Rollenvorbilder für das eigene „Mann-Sein“ bzw. „Frau-Sein“ bilden und damit einen großen Teil unserer Identität mit beeinflussen.

Die Frau mit ursprünglich negativem Vaterkomplex in Beruf und Alltag

Viele Frauen mit ursprünglich negativem Vaterkomplex haben unter dem strengen Blick ihres Vaters gelitten und fühlen sich noch als Erwachsene unter ständiger Beobachtung, als wäre das ganze Leben eine Prüfungssituation, in der nur die Besten überleben. Selbst dann, wenn der eigene Vater schon gar nicht mehr lebt.

Entweder Du bist die Beste, oder Du bist ein Nichts. Diese Art von digitalem Schwarz-Weiß-Denken scheint relativ typisch zu sein. Auch hier finden wir wieder so manche Karriere, die sich jedoch getrieben und von innen heraus leer anfühlt. Andere resignieren und wählen bewusst den kleineren Weg, da bei ihnen der Stachel aus permanenten Abwertungen zu tief sitzt.

„Aus dir wird nie etwas!“

„Du kannst es einfach nicht!“

„Mädchen sind zu blöd dafür!“

Typisch ist auch hier der Weg in den Burnout oder andere stressbedingte Probleme. Da der Leistungsdruck enorme Ausmaße annehmen kann, ist der Körper meist die Sollbruchstelle des Systems, die als erstes verhindert, dass noch schneller auf die Wand am Ende Strecke zugerast wird.

Die Frau mit ursprünglich negativem Vaterkomplex in der Beziehung

Häufig ist zu beobachten, wie die Be- und Abwertungen, die sie selbst erfahren haben, unreflektiert an die Mitmenschen weitergegeben wird. Man selbst konnte nie genügen, außer vielleicht, man war irgendwo ganz oben auf.

So geht es auch mit den anderen. Entweder oben oder nichts. Diese harte Art der Bewertung von allem geht sehr wahrscheinlich auf die Verinnerlichung des väterlichen Verhaltens als Verhaltensmodell zurück, auf das unter Stressbedingungen zurückgegriffen wird. Siehe auch:

Episodengedächtnis & Komplexe – der wahre Grund, warum wir in der Vergangenheit stecken bleiben

Diese Form der Be- und Abwertung ist den Betroffenen häufig nicht bewusst und auch nicht beabsichtigt, kann aber bewusst gemacht werden.

Die Wachstumskrise

Die Wachstumskrise tritt häufig dann ein, wenn die Idee fertig ausgereift ist, dass auf dem eingeschlagenen Weg nichts zu holen ist. Wonach sich die Betroffenen häufig wirklich sehnen, ist ein Gefühl des Dazugehörens. Ein Wir-Gefühl. Ein So-Sein-Dürfen. Ist die schmerzhafte Erkenntnis, dass der bisherige Weg in Bezug auf dieses Gefühl ein Holzweg war tief genug gedrungen, kann die Abwendung vom ursprünglich negativen Vaterkomplex gelingen.

Die Wachstumsherausforderung

Die Wachstumsherausfoderung liegt unter anderem darin, sich mehr dem eigenen Weiblichen zuzuwenden und es zu entwickeln um hier das ozeanische Lebensgefühl von getragen sein und dazu zu gehören entwickeln zu können, das im bisherigen durch den ursprünglich negativen Vaterkomplex geprägten Leben nicht zu erreichen war.

Die zugehörigen Artikel im Überblick

Aus dem Shop:

Wie man emotionale Blockaden auflöstWie man die richtigen Entscheidungen trifftMehr Selbstvertrauen in 7 TagenSelbstwertgefühl - Wie es entsteht und wie Du es stärken kannst

 

 

 

 

 

Titel-Photo: pixabay.com
Lizenz: CCO Public Domain
Fotograf: Robert_z_Ziemi

Für die Artikelserie u.a. verwendete und weiterführende Literatur:
*Verena Kast, „Vater-Töchter Mutter-Söhne – Wege zur eigenen Identität aus Vater- und Mutterkomplexen“, Kreuz-Verlag, 5. Auflage der Neuausgabe 2005
*Louis Schützenhöfer, „In aller Liebe – Wie wir unsere Mutter überleben“, Verlag Herder GmbH, 2004
*Colin C. Tipping, „Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein“jKamphausen Verlag, 11. Auflage 2010
*Alice Miller, „Am Anfang war Erziehung“, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1. Auflage 1983
*Marie-Louise von Franz, „Der ewige Jüngling – Der Puer Aeternus und der kreative Genius im Erwachsenen“, Kösel-Verlag, 1987
*Bruno Bettelheim, „Die symbolischen Wunden – Pubertätsriten und der Neid des Mannes“, Fischer Verlag, November 1982
*Alexander Mitscherlich – „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“, Piper Verlag, Neuausgabe 1973
*John Eldredge, „Der ungezähmte Mann – Auf dem Weg zu einer neuen Männlichkeit“, Brunnen Verlag, 15. Auflage 2013
*Clarisse Pinkola Estés, „Die Wolfsfrau – Die Kraft der weiblichen Urinstinkte“, Heyne Verlag, 6. Auflage 1993
*Bjørn Thorsten Leimbach, „Männlichkeit leben – Die Stärkung des Maskulinen“, Ellert & Richter Verlag, 8. Auflage 2014
*Astrid Leila Bust, „Weiblichkeit leben – Die Hinwendung zum Femininen“, Ellert & Richter Verlag, 5. Auflage 2017
*Robert Bly, „Eisenhans – Ein Buch über Männer“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Juni 2005
*Robert Moore & Douglas Gillette, „König Krieger Magier Liebhaber – Initiation in das wahre männliche Selbst durch kraftvolle Archetypen“, Aurinia Verlag, 2014
*Roland Kopp-Wichmann, „Frauen wollen erwachsene Männer – Warum Männer sich ablösen müssen, um lieben zu können“, Herder Verlag, 2011
Gerald Hüther, „Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“, Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, 2009
*David Deida, „Der Weg des wahren Mannes – Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität“, J Kamphausen Mediengruppe GmbH, 14. Auflage 2015

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