Bedürfnis nach Sicherheit

Bedürfnis nach Sicherheit

Das Bedürfnis nach Sicherheit gehört zu den 8 Beziehungsbedürfnissen nach Erskine und Trautmann.

Menschen haben ein Bedürfnis nach Sicherheit in Beziehungen. Wir müssen wissen, dass wir uns auf andere verlassen können, dass sie ihre Absprachen einhalten und dass es klare Regeln im Zusammenleben gibt.

Wir brauchen das Gefühl, den anderen einschätzen zu können, damit wir in der Lage sind, die Folgen unseres Handelns abzuwägen.

Dahinter steckt auch der Wunsch, bis zu einem gewissen Grad vorhersehen zu können, wie sich der andere in einer bestimmten Situation verhalten wird. Wir brauchen das Gefühl, dass der andere auch in schwierigen Zeiten zu uns stehen wird. Nicht umsonst gibt es bei Trauungen den Zusatz “In guten wie in schlechten Zeiten”.

Natürlich haben wir auch ein allgemeines Bedürfnis nach Sicherheit im Leben. Niemand möchte von einem Auto überfahren oder einem herabfallenden Ziegelstein erschlagen werden. Aber diese Art von Sicherheit ist hier nicht gemeint. Gemeint ist das Bedürfnis nach Sicherheit als Beziehungsbedürfnis. Also immer bezogen auf andere Menschen.

Dieses Bedürfnis ist wesentlich für uns. Wir brauchen einen Platz, wo wir hingehören. Menschen, bei denen wir aufgehoben sind. Einen sicheren Hafen, in den wir bei rauer See jederzeit fliehen können.

Jeder Mensch braucht ab und zu Halt und Geborgenheit durch andere. Besonders problematisch ist das für die “Starken” unter uns. Diese Menschen werden von ihrem Umfeld als souverän und Herr oder Frau der Lage wahrgenommen.

Wir wenden uns eher an sie, wenn wir Hilfe oder einen Rat suchen, anstatt umgekehrt. Das betrifft zum Beispiel Menschen in Führungspositionen, aber auch genauso Menschen mit einer gewissen Ausstrahlung.

Ihnen wird weniger Hilfe angeboten, da ihre Mitmenschen meist gar nicht auf die Idee kommen, dass diese Menschen selbst einmal schwach und anlehnungsbedürftig sein könnten.

Oft werden Sie dann mit Sätzen wie “Sei stark, du schaffst das schon. Du bekommst doch sonst auch immer alles hin.” abgespeist.

So haben insbesondere vermeintlich starke Menschen hier oft das Bedürfnis, sich auch einmal fallen zu lassen, selbst einmal schwach sein zu dürfen. Doch insbesondere sie wissen meist gar nicht, bei wem dies denn möglich wäre. Außerdem haben sie wenig Übung darin.

Sie fühlen sich dann, wenn sie andere am meisten brauchen, besonders allein und auf sich gestellt. So kann auch bei Menschen, von denen wir es am wenigsten erwarten würden, ein zutiefst unerfülltes Bedürfnis nach Sicherheit bestehen.

Funktion als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis

Tritt das Bedürfnis nach Sicherheit als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis auf, kann dies aus zwei Gründen geschehen.

Entweder, weil dieses Bedürfnis selbst nachhaltig verletzt wurde, dann überkompensieren wir im gleichen Bedürfnis. Oder, weil Das Bedürfnis nach Sicherheit als Kompensation für ein anderes verletztes Beziehungsbedürfnis herhalten muss.

In beiden Fällen kann es sich entweder in aktiver (Kampfmodus) oder passiver (Fluchtmodus) Form im Verhalten einer Person zeigen.

Aktiv: Die Betroffenen versuchen, sich, andere und Situationen zu kontrollieren. Sie geben sich oft über-sicher und haben den Anspruch, alles Wissen für sich gepachtet zu haben; sie verhalten sich besserwisserisch.

Ebenso sind sie bemüht, jedes Risiko aktiv zu beherrschen. Gegen jedes sinnige und unsinnige Risiko eine spezielle Versicherung abzuschließen, zählt ebenfalls in diese Kategorie. Die Betroffenen sind die Traumkunden schlechthin für jeden Versicherungsmakler.

Passiv: Die Betroffenen zeigen sich über-ängstlich und scheuen jedes Risiko. Sie trauen sich selbst und anderen nichts zu und verfallen schnell in „erlernte Hilflosigkeit“. Sie zeigen klassisches Vermeidungsverhalten.


*Die hier dargestellten Zusammenhänge basieren auf den Arbeiten der beiden Transaktionsanalytiker Richard Erskine und Rebecca Trautmann, sowie den Ergänzungen des ROMPC®-Begründers Thomas Weil in seinem Buch „Selbstwirksamkeit und Performance“:

Thomas Weil, Martina Erfurt-Weil, “Selbstwirksamkeit und Performance – ROMPC®-Kompendium Theorie- und Trainingshandbuch”, MEW Medienedition Weil e.K., Ausgabe 2010

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Andreas,
    ich frage mich…. könnte denn aus dieser „erlernten Hilflosigkeit“ am Ende sogar eine Panikstörung entstehen?… Beispielsweise als Reaktion auf eine unterbewusst sichere Erwartungshaltungauf einen später tatsächlich eintretenden Verlust der Sicherheit-gebenden Bezugsperson (z.B. der Mutter)?
    Ich finde alle deine Artikel sehr, sehr interessant und bin froh, Deinen Blog gefunden zu haben.
    LG

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here

*