Bedürfnis nach Einflussnahme

Bedürfnis nach Einflussnahme

Das Bedürfnis nach Einflussnahme gehört zu den 8 Beziehungsbedürfnissen nach Erskine und Trautmann.

Menschen haben ein Bedürfnis danach, Einfluss nehmen zu können. Wir möchten erfahren, dass andere sich durch das, was wir sagen und tun, betreffen lassen, wollen etwas bewirken können beim anderen.

Wir brauchen es, dass unsere Ideen und Vorschläge von anderen ernst genommen und beachtet werden. Oder dass man uns zumindest eine plausible Begründung dafür gibt, wenn unsere Anregungen einmal nicht beachtet werden. Dabei geht es auch um Wertschätzung.

Das Bedürfnis nach Einfluss wird in vielen Bereichen verletzt. Oft werden Kinder von ihrem Umfeld nicht für voll genommen. Natürlich haben Kinder nicht die Erfahrung und das Wissen, das ein Erwachsener hat.

Aber es macht einen großen Unterschied, ob ich einem Kind vermittele, dass seine Meinung nichts zählt, oder sie mir bereitwillig und gerne anhöre und das Kind für seinen Beitrag wertschätze – ob er umgesetzt wird, oder nicht.

Auch in Partnerschaften wird das Bedürfnis nach Einfluss oft missachtet. “Bei uns entscheidet immer mein Mann”, “Was ich sage, interessiert meine Frau sowieso nicht”, usw. Im Berufsleben das gleiche Bild. “Ob ich meinem Chef einen guten Vorschlag mache oder in China fällt ein Sack Reis um, kommt aufs gleiche heraus”.

Wenn Menschen das Gefühl haben, mit ihren Anregungen nicht gehört zu werden und keinen Einfluss nehmen zu können, verlieren sie das Engagement in der Beziehung. Das sind die Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, die Partner, die sich nicht mehr trauen, eigene Ideen in die Beziehung einzubringen, die Kinder, die gelernt haben, ihre Ideen für sich zu behalten.

Funktion als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis

Tritt das Bedürfnis nach Einfluss als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis auf, kann dies aus zwei Gründen geschehen.

Entweder, weil dieses Bedürfnis selbst nachhaltig verletzt wurde, dann überkompensieren wir im gleichen Bedürfnis. Oder, weil Das Bedürfnis nach Einfluss als Kompensation für ein anderes verletztes Beziehungsbedürfnis herhalten muss.

In beiden Fällen kann es sich entweder in aktiver (Kampfmodus) oder passiver (Fluchtmodus) Form im Verhalten einer Person zeigen.

Aktiv: Die Betroffenen versuchen andere zu dominieren und selbst alle Vorgaben zu machen. Sie wollen jedes kleine Detail selbst bestimmen. Sie haben die Tendenz, ihre Macht zu missbrauchen und andere von sich abhängig zu machen.

Passiv: Die Betroffenen machen sich von anderen abhängig. Sie kultivieren ihre eigene Passivität und vermeiden es, eigene Wünsche und Bedürfnisse anzumelden. Sie haben kein ausreichendes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, mit den Situationen ihres Lebens selbstständig klar zu kommen.


*Die hier dargestellten Zusammenhänge basieren auf den Arbeiten der beiden Transaktionsanalytiker Richard Erskine und Rebecca Trautmann, sowie den Ergänzungen des ROMPC®-Begründers Thomas Weil in seinem Buch „Selbstwirksamkeit und Performance“:

Thomas Weil, Martina Erfurt-Weil, “Selbstwirksamkeit und Performance – ROMPC®-Kompendium Theorie- und Trainingshandbuch”, MEW Medienedition Weil e.K., Ausgabe 2010

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