Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Erfahrung

Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Erfahrung

Das Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Erfahrung gehört zu den 8 Beziehungsbedürfnissen nach Erskine und Trautmann.

Menschen haben ein Bedürfnis danach, von anderen in ihren Erfahrungen bestätigt zu werden. Wir möchten, dass man uns glaubt und unser Erleben der Wirklichkeit ernst nimmt.

Wenn unser Partner gestresst von der Arbeit kommt und sich ausgelassen darüber beklagt, wie er auf dem Heimweg wieder einmal “stundenlang” im Stau stand und wir antworten mit…

‚Ach Schatz, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein. Du bist ja nur 15 Minuten später hier als sonst auch. Schau, jetzt bist du zuhause und alles ist gut. Sieh’ das doch nicht immer alles so eng. Immerhin hast du Arbeit. Andere würden da sonst was drum geben.‘

…mag das zwar stimmen und auch gut gemeint sein.

Dennoch verletzen wir damit sein Beziehungsbedürfnis nach Bestätigung seiner Erfahrung. Wir geben ihm das Gefühl, nicht glaubwürdig zu sein, zu übertreiben und vermitteln ihm damit, dass wir ihn in seinen Äußerungen nicht ganz für voll nehmen.

Wenn unser Sohn uns aufgeregt erzählt, wie ihn die anderen Jungs in der Schule “zusammengeschlagen” haben und wie er froh sein kann, dass er das “überlebt” hat und wir weisen ihn nur darauf hin, dass man von seiner “lebensgefährlichen” Schlägerei kaum einen Kratzer sehen und dass es wohl so schlimm nicht gewesen sein kann, verletzen wir ebenfalls sein Bedürfnis nach Bestätigung seiner eigenen Erfahrung.

In vielen Fällen sind solche Verhaltensweisen von Eltern, Partnern, Freunden, etc. durchaus nett gemeint. Wir möchten denjenigen ablenken, trösten und auf andere Gedanken bringen.

Leider erreichen wir so eher das Gegenteil. Er wird sich hinterher schlechter fühlen als vorher und den Eindruck zurückbehalten, dass wir ihn im besten Falle nicht verstehen, im schlimmsten Falle nicht ernst nehmen.

Viel besser wäre es, ihn erst einmal in seinem Erleben anzunehmen, sein Bedürfnis nach Bestätigung zu spiegeln und ihn dann erst – wenn es denn sein muss – auf andere Gedanken zu bringen. Es geht also auch anders:

“Ja Schatz, das muss wirklich schlimm gewesen sein, als die anderen Jungs in der Schule alle auf dich losgegangen sind und dich verprügelt haben. Du hattest sicher Angst um dein Leben. Ich bin heilfroh, dass du es überstanden hast. Jetzt schaue ich mir mal deine Wunden an und versorge sie. Und danach besprechen wir, was wir in der Sache unternehmen wollen, damit so etwas nicht wieder vorkommt und du dich in der Schule wieder sicher fühlen kannst.”

Funktion als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis

Tritt das Bedürfnis nach Bestätigung als kompensatorisches Beziehungsbedürfnis auf, kann dies aus zwei Gründen geschehen.

Entweder, weil dieses Bedürfnis selbst nachhaltig verletzt wurde, dann überkompensieren wir im gleichen Bedürfnis. Oder, weil Das Bedürfnis nach Bestätigung als Kompensation für ein anderes verletztes Beziehungsbedürfnis herhalten muss.

In beiden Fällen kann es sich entweder in aktiver (Kampfmodus) oder passiver (Fluchtmodus) Form im Verhalten einer Person zeigen.

Aktiv: Die Betroffenen versuchen mit anderen in einer Symbiose und tiefer Harmonie zu einer Einheit zu verschmelzen. Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten werden ausgeblendet oder geleugnet und dem Wunsch geopfert, „ein Herz und eine Seele“ mit dem Gegenüber zu sein.

Passiv: Die Betroffenen zweifeln aus Reflex an ihrer eigenen Wahrnehmung, weil man ihre Wahrnehmung der Dinge nie angemessen für voll genommen hat. Sie sind oft über ihre eigenen Gefühle, Wünsche und Gedanken verwirrt und trauen sich selbst nicht ganz über den Weg. Darüber hinaus vermeiden sie es oft, aktiv auf andere zu zugehen und Kontakt mit ihnen herzustellen.


*Die hier dargestellten Zusammenhänge basieren auf den Arbeiten der beiden Transaktionsanalytiker Richard Erskine und Rebecca Trautmann, sowie den Ergänzungen des ROMPC®-Begründers Thomas Weil in seinem Buch „Selbstwirksamkeit und Performance“:

Thomas Weil, Martina Erfurt-Weil, “Selbstwirksamkeit und Performance – ROMPC®-Kompendium Theorie- und Trainingshandbuch”, MEW Medienedition Weil e.K., Ausgabe 2010

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Andreas,

    ein schöner Bericht, der deutlich macht, dass wir zu schnell dabei sind, dem anderen seine Gefühle abzuerkennen. An manchen Tagen können wir schon unsere eigenen Gefühle nicht aushalten, wie dann auch noch die Gefühle des Gegenübers bewältigen. Die Kommunikation wird gefördert, wenn jeder so sein darf wie er ist und der Andere dies wertschätzend anerkennt. Nicht immer einfach, aber einer lohnenswerter Weg.

    Mit sonnigen Grüßen
    Jana

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