Warum wir nach Trennungen so schwer loslassen können

Die wahren Gründe, warum wir nach einer Trennung den Ex nicht loslassen können

Wir haben gerade den sechsten externen Akku für unser Smartphone gekauft, weil wir es einfach nicht sein lassen können, uns unsere alten Pärchenfotos wieder und wieder zu geben. Fotos von vermeintlich besseren, glücklicheren Zeiten. Als unsere Welt noch in Ordnung schien. Vielleicht war sie es nie wirklich, aber es will uns jetzt, wo alles vorbei ist, verdammt nochmal so erscheinen.

Wie ist es nur so weit gekommen? Klar, vieles am Ex hat genervt. Als wir zusammen waren. Aber jetzt ist das doch völlig belanglos. Wir würden uns ein Bein abhacken, wenn wir ihn dadurch zurückbekommen würden. Wie war das noch mit diesen trickreichen Büchern und Webseiten? „Ex zurück in drei Tagen.“ Wenn’s doch so einfach wäre!

Ich glaube nicht an das Plötzlichkeitsphänomen. Wenn eine Beziehung in die Binsen geht, dann hat das Gründe. Gründe, die nicht allein in Fehlern liegen, die einer oder beide gemacht haben, sondern eher in der jeweiligen Inkompatibilität des einen mit den Bedürfnissen und Wünschen des anderen. Da hilft es wenig, uns selbst die Schuld für alles zu geben und „Hätte ich nur…“ oder „Wäre ich doch…“ -Sätze zu bilden.

Wenn es zu einer Trennung kommt, lag meist schon lange vorher etwas im Argen. Manchmal im Verborgenen, häufig recht offensichtlich aber gerne ignoriert. Und ich glaube auch nicht, dass es immer ein Segen wäre, den oder die Ex tatsächlich zurückzubekommen. Nicht, weil mit dem Ex-Partner etwas nicht in Ordnung ist. Sondern weil Menschen in den meisten Fällen nach kurzer Zeit an dem Punkt weitermachen, an dem sie zuletzt geendet sind. Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Was ich aber ganz sicher weiß, ist, dass die Gründe, warum uns das Loslassen in solchen Fällen so unendlich schwer fällt, nur ganz am Rande etwas mit dem oder der Verflossenen selbst zu tun haben. Egal, wie unwiderstehlich und einzigartig dieser Mensch sicher war.

Die Gründe für unsere Unfähigkeit loszulassen liegen tiefer und haben mit uns selbst zu tun. Mit unserem Mindset, um es modern zu formulieren. Ein paar der wichtigeren Gründe darunter möchte ich Dir in diesem Artikel vorstellen.

Grund 1: Anker

Der erste und bekannteste Grund, warum wir den oder die Ex so schwer loslassen können, sind Anker. Das sind Reiz-Reaktions-Verknüpfungen à la Pawlowscher Hund. Wenn wir viel Zeit mit dem Partner verbracht haben, gibt es eine Unzahl Orte, Lieder, Gegenstände, und vor allem Rituale, die direkt mit dem anderen verknüpft sind. Das ist wie bei Rauchern, die jahrelang gewohnt waren, dass zum Kaffee eine Zigarette gehört. Wenn sie nun mit dem Rauchen aufhören wollen und Kaffee trinken, wird dieser unweigerlich Erinnerungen und sicher auch Verlangen an eine Zigarette hervorrufen. Es besteht ein Anker im Gehirn, der die beiden miteinander verbindet.

Einige meiner Coaching-Klienten kennen schon die Geschichte von meinem befreundeten Therapeutenpärchen mit dem Streitzimmer. Die beiden sind seit vielen Jahren überwiegend glücklich zusammen und das obwohl beide Beziehungstherapeuten sind. Da sie sich mit diesem Beziehungszeug auskennen, haben sie sich ein extra Streitzimmer in ihrem Haus eingerichtet. Darin steht ein rotes Sofa und eine Stehlampe, sonst nichts. Jedes Mal, wenn in ihrem Haus ein Streit auszubrechen droht, begeben sich beide schnurstracks dorthin und kommen erst wieder heraus, wenn wieder Frieden herrscht.

Die beiden wissen über die Wirkung von Ankern und wollten nicht, dass diese im Falle von Streit mit irgend etwas anderem in ihrem Heim verknüpft wird. Das ist sehr weise, hat jedoch den Preis, dass sie automatisch schlechte Laune und einen Brast auf den Partner bekommen, wenn sie nur das Zimmer betreten. Auch wenn vorher alles in bester Ordnung war. Da dort viele Streitereien stattfinden, sind sie an das Zimmer geankert. Diese Anker feuern dann, selbst wenn man nur mal kurz drin staubsaugen will. Verständlich, dass sie sich außerhalb von ihren Streits nur wenn unbedingt nötig in diesem Zimmer aufhalten.

Sie haben übrigens auch ein extra Schlafzimmer für… aber lassen wir das.

Um sich die Trennungsphase nicht unnötig schwer zu machen, sollten wir also ein Auge auf Anker haben, die mit dem Ex verknüpft sind. Du musst Dir jetzt nicht unbedingt komplett neue Möbel kaufen (umstellen reicht häufig) oder das Auto in die Schrottpresse geben, in dem ihr Euch letzten Sommer auf diesem Feldweg mal so gut „unterhalten“ habt. Aber alles, was Du vermeiden kannst, solltest Du vermeiden. Vor allem den Kontakt.

Grund 2: Das Gefühl, nicht gut genug gewesen zu sein

Unser(e) Ex möchte nicht länger mit uns zusammen sein. Er oder sie lebt in Zukunft lieber alleine, als an unserer Seite. Oder er findet eine bessere Partnerin, die ihm mehr zu bieten hat. Zurück bleibt der schale Beigeschmack, nicht gut genug gewesen zu sein. Mal wieder. Ein Gefühl, das den meisten von uns oft begegnet im Laufe unserer Lebensgeschichte. Zu oft.

Wir können nicht anders als uns insgeheim zu fragen, welche Aussage über unseren eigenen Wert darin enthalten ist. Eine Leben ohne uns scheint besser zu sein, als ein Leben mit uns. Dabei haben wir uns doch so angestrengt, wollten so viel geben. Und was bedeutet das für die Zukunft (siehe Grund 4)?

Wir sehen einmal mehr all das negative Zeugs bestätigt, was wir schon immer über uns geglaubt haben und heben davon auf eine düstere Zukunft ab.

Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Mag sein, dass wir für diesen speziellen Partner nicht die oder der Richtige waren. Dass wir diesem speziellen Menschen nicht genügend oder nicht das, was er brauchte, zu geben hatten. Mag auch sein, dass wir genau der Richtige waren, aber unsere Ex einfach unfähig war, das auch zu erkennen (tröstender, Ego streichelnder  Gedanke, oder?).

Fakt ist, es liegt selten an uns. Ebenso wenig am anderen. Es liegt an der einzigartigen Chemie zwischen uns. Sie stimmt nicht oder nicht mehr. Vielleicht haben wir nie so ganz richtig zusammen gepasst. Egal, wie gut es einmal funktioniert hat. Mag sein, dass ein anderer Partner unserer Ex mehr zu geben hat – so, wie sie es braucht.

Dann haben wir ebenfalls einem anderen Menschen etwas zu bieten, das nur wir ihm auf diese Weise bieten können. Es liegt selten an den beteiligten Partnern sondern fast immer an nicht ganz passenden Konstellationen. Tritt also nach Möglichkeit nicht in diese Selbstwertfalle. Verfange Dich nicht in sinnlosen Schlussfolgerungen, Du wärst auf irgendeiner Ebene nicht gut genug. Das entspricht nicht der Wahrheit. Nie. Auch wenn es einem verdammt so erscheinen kann, wenn man mitten drin steckt.

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Grund 3: Veränderungsaversion

Veränderung findet immer außerhalb unserer Komfortzone statt. Von Natur aus, hat uns die Evolution eher konservativ im Umgang mit Veränderungen und Neuerungen ausgestattet. Das hat viele tausend Jahre für unser Überleben durchaus Sinn gemacht. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „Veränderungsaversion“, meint aber dasselbe.

Weil wir das Unbekannte so fürchten, halten wir auch häufig so lange am bekannten Übel fest. Das haben wir zumindest sicher. Wer weiß, ob das Neue nicht noch blöder wird? Es heißt ja immer so schön, das Leben schließt keine Tür, ohne gleichzeitig eine neue zu öffnen. Nur versuchen wir dann häufig, diese offene Tür mit aller Macht wieder zu zu knallen und rennen lieber mit dem Kopf gegen die mittlerweile geschlossene, aber zumindest bekannte Tür.

Unser Problem ist auch, dass wir verdammt leidensfähig sind. Um das zu illustrieren, grassierte lange Zeit die Geschichte des Froschs im Wasserglas. Kurz erzählt: Schmeißt man einen Frosch in kochendes Wasser, tut er alles, um schnellstmöglich wieder herauszukommen. Setzt man ihn in lauwarmes Wasser und erhöht langsam die Temperatur, bleibt er sitzen, bis er gar ist. Auch wenn Biologen dies mittlerweile widerlegt haben, ist es dennoch eine schöne (wenn auch grausame) Metapher für unseren Umgang mit belastenden Situationen, die sich sukzessive und über längere Zeiträume aufbauen.

Da geht es uns dann auch in Beziehungen ganz ähnlich wie dem Alkoholiker mit seiner Toleranzentwicklung. Mit der Zeit benötigt er immer höhere Dosen, um noch was zu merken. Auch hier ist ein gesundes Selbstvertrauen und zwar in unsere Anpassungsfähigkeit und unsere Flexibilität, auch mit neuen Situationen konstruktiv umzugehen, äußerst hilfreich. Was wir benötigen, ist in den meisten Fällen nicht der oder die Verflossene, sondern mehr Veränderungskompetenz.

Grund 4: Befürchtung, dass nichts Besseres nachkommt

„Es wird nie wieder so schön werden, wie es mal war!“

„Der Sex mit Marie war der Beste meines Lebens, das ist nicht zu toppen!“

„Ralf und ich waren für einander bestimmt. Er war der Richtige, der Eine. Wie konnte es nur so weit kommen?“

Typische fatalistische Sätze nach einer Trennung. Wir haben nach ungewollten Verlusten die Tendenz, Verlorenes über zu idealisieren und zukünftige Möglichkeiten auf Glück zu negativ einzuschätzen. Besonders romantische Theorien von der oder dem „Einen“ sind hier weit verbreitet und völlig kontraproduktiv. Meine unromantische, aber klärende Antwort auf sowas ist regelmäßig: Was sein soll, das ist. Was nicht sein soll, das ist nicht. Hart, aber wahr.

Leiden ensteht dort, wo wir nicht im Einklang mit dem sind, was ist. Hat schon Buddha in seinen „Edlen Wahrheiten“ gelehrt. Wir sehen nach einer Trennung für gewöhnlich nicht das große Bild. Können das aktuelle Geschehen in keinen größeren zeitlichen Rahmen einordnen.

Wenn ich mir als Kind weh getan habe, hat meine Oma immer zu mir gesagt: „Bis Du in Rente bist, hast Du das längst vergessen“. Das ist ein sinnvoller Umgang mit einer größeren zeitlichen Perspektive. Wie häufig ist es wohl schon vorgekommen, dass jemand, nachdem er verlassen wurde, dachte, dass es nie wieder so schön werden könnte, nur um sich zwei Jahre später mit der wahren Liebe seines Lebens am weißen Strand von Kauai wieder zu finden? Oder zumindest im Wellnessurlaub in Castrop Rauxel.

Wären wir ganz sicher, dass immer „Besseres“ nachkommt, wäre die Trennung fast ein freudiges Ereignis. Hier spiegelt sich auch unsere generelle Haltung dem Leben gegenüber. Vielleicht klingelt bei dem Wort „Urvertrauen“ ja etwas bei Dir. Die gute Nachricht ist, auch das kann man lernen.

Grund 5: Projektion unerfüllter Bedürfnisse

Nummer fünf in dieser Aufzählung hat vielleicht den größten Einfluss auf uns. Es gab ja mal einen Grund, warum wir überhaupt erst mit diesem Menschen zusammengekommen und es  dann so lange in der Beziehung „ausgehalten“ haben. Die Beziehung muss bestimmte unserer Bedürfnisse erfüllt haben, sonst hätte sie keinen Bestand gehabt. Zum Beispiel haben wir höchstwahrscheinlich ein gewisses Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit vom anderen bekommen.

Diese Form seelischer Streicheleinheiten ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen. In der Transaktionsanalyse beispielsweise als „Stroke-Hunger“ bekannt. Strockes sind die kleinste Form seelischer Streicheleinheiten. Sie können körperlich sein, in einem netten Wort oder freundlichen Blick bestehen oder einfach in der Tatsache, dass ein anderer uns seine Zeit schenkt. Hierzu ist das Konzept der Beziehungsbedürfnisse nach Erskine und Trautman hochinteressant. Unter dem folgenden Link findest Du mehr dazu: Beziehungsbedürfnisse

Fatal wird’s, wenn wir diese Bedürfniserfüllung ausschließlich dem verflossenen Menschen zuschreiben. Sicher hat er das eine oder andere davon erfüllt. Bestimmt auch auf einzigartige Weise. Vielleicht sogar so, wie es noch niemand anders in unserem Leben getan hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass er die einzige Quelle dafür ist.

Wir brauchen Menschen in unserem Leben. Wir brauchen es, dass unsere Beziehungsbedürfnisse erfüllt werden. Aber wir sind nicht davon abhängig, dass sie von einem speziellen Menschen erfüllt werden. Wenn wir dies dennoch glauben, sitzen wir in der Tinte und machen uns von diesem Menschen abhängig. Dann leben wir – oft schon während die Beziehung noch Bestand hat – als eine viel kleinere, bedürftigere Version von uns Selbst.

Nicht nur, dass uns das nicht gerecht wird und verhindert, dass wir uns zu unserer wahren Größe entfalten. Wir werden damit auch langweilig und unattraktiv für unseren Partner. Auch für potenzielle spätere Partner. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Gefühl der Verliebtheit in direktem Verhältnis zu dem Grad an Unsicherheit steht, die wir in Bezug auf das Interesse des Anderen an uns empfinden. Je sicherer, desto unattraktiver.

In übersteigerter Form kommt dies in Beziehungen mit einer Nähe-Distanz-Problematik zum Vorschein. Verdammte Biochemie! Hier gehe ich näher auf dieses bekannte Phänomen ein:

Abhängigkeit und Angst vor Nähe – Wie und warum Beziehungen aus dem Gleichgewicht geraten

Auch dafür gibt es Lösungen, doch das ist ein anderes Thema.

Wir machen uns das Leben also schon einmal deutlich leichter, wenn wir erkennen, dass unsere Einschätzung zukünftiger Glücks-Möglichkeiten viel zu negativ ausfällt. Noch dazu gibt es unzählige Wege, unsere positive Zukunft aktiv mitzugestalten. Einer der Besten liegt darin, die eigenen Themen anzugehen, die einer glücklichen Partnerschaft im Wege stehen.

In Therapeutenkreisen sagt man gerne „Wir gehen mit unserer verletzten Kinderseele auf Partnersuche“. Wenn Du diesen Satz verstanden hast, weißt Du auch, wie nützlich die Aufarbeitung der eigenen Themen für das Gelingen einer glücklichen Beziehung ist.

 

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Titel-Photo: pixabay.com
Lizenz: CCO Public Domain
Fotograf: pixel2013

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