Nachbarn lieben für Einsteiger – Ich (Andreas) habe nun etwas weniger Schatten

Nachbarn lieben für Einsteiger

Ich hatte da ja mal diesen Nachbarn. Diesen zornigen alten Mann mit Parkplatzproblem. Du erinnerst Dich? Falls nicht, lies erstmal hier: Nachbarn hassen für Fortgeschrittene – Ich (Andreas) habe einen Schatten

Wie gesagt: Hatte! Okay, ich bin vor einiger Zeit umgezogen. Hast Du vielleicht mitbekommen. Wohne jetzt im Grünen am Waldrand mit riesigem Garten und ausreichend Platz zu den angrenzenden Häusern. Und ich habe hier exakt so viele Parkplätze, wie ich benötige. Folglich auch kein Parkplatzproblem mehr (bzw. einen Nachbarn mit einem solchen).

Interessant ist aber, dass ich auch schon lange vor meinem Umzug keins mehr hatte. Ich habe nämlich damals nach wilden Wochen des Wütens angefangen, meinen Teil dazu beizutragen, um die Situation zu bereinigen. Nicht äußerlich – wir haben uns ja zum Schluss nur noch angeschwiegen, das aber mit Leidenschaft. Nein, innerlich!

Habe geschaut, was das Alles mit mir zu tun hat. Welche roten Knöpfe Arschibald (Name geändert) bei mir gedrückt hat. Eingesehen, dass er mir zeigt, wo ich noch dunkle Stellen in mir habe. Stellen, die dem Lichtkegel meines Bewusstseins bisher entgangen sind. Aus gutem Grund natürlich.

Ihn innerlich zu meinem Lehrer und Engel gemacht. Engel mit dem bösen Blick, versteht sich. Okay – nerviger Engel mit dem bösen Blick – aber Engel. (Nicht im Eso-Sinn).

Habe meine Hausaufgaben gemacht. Schattenarbeit (warum soll das nur meinen Klienten gegönnt sein?). Hier erfährst Du mehr:

Interview mit Andreas Gauger über Schattenarbeit

Mir war nämlich aufgefallen, dass ich noch ein ziemlich ausgeprägtes Thema damit hatte, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Arschibald hat es mit seinem Verhalten geschafft, meiner Emotions-Klaviatur die schönste schrägen Töne zu entlocken, die ich seit langem von mir selbst vernommen hatte. Von arsch-sauer-Moll bis opfer-warum-immer-ich-das-ist-so-ungerecht-dieses-gemeine-Scheusal-dem-werd-ich-aber-gehörig-Dur und zurück.

Du hättest mich vor zwei Jahren mal sehen sollen, nachdem Arschibald und ich mal wieder unser Tänzchen aufgeführt haben. Ganz großes Tennis, sag ich Dir. Eine Mischung aus Grinch, Schreck und Rumpelstilzchen auf Speed.

Mein Tanz der Heilung

Was mir zunächst entgangen war (bei anderen hätte ich es sicherlich sofort gesehen – wie war das nochmal mit der Betriebsblindheit?), war, dass unser Tanz ein Tanz der Heilung war. Mein Tanz der Heilung. Eine wertvolle (und nervige) Gelegenheit, in Ordnung zu bringen, was in Ordnung gebracht werden möchte. Ganz zu werden. Oder zumindest ‚ganzer‘.

Arschibald und ich haben gemeinsam eine Situation erschaffen, die mir auf unmissverständliche Weise und ziemlich schonungslos vor Augen geführt hat, dass mein Seelenfrieden stark ins Wanken kommt, wenn jemand versucht, die Nachbarschaft und die Behörden gegen mich aufzubringen oder ein mit Nägeln gespicktes Brett so hinter dem Reifen zu platzieren, dass man es erst nach dem Losfahren bemerkt.

Wir haben zusammen einen Spiegel erschaffen, in dem ich mich selbst erkennen konnte. Er sich natürlich auch. Ob er seine Chance ebenfalls genutzt hat, weiß ich nicht. Ich wünsche es ihm aber – mittlerweile auch ohne jegliche Ironie. Falls nicht, kann er das ja noch nachholen.

Aber MOMENT mal! Heißt das dann, dass es okay ist, wenn andere sich uns gegenüber wie Arschibalds verhalten?

Die Welt des Menschlichen

Selbstverständlich nicht!!! In der direkten Begegnung ist zu tun, was eben zu tun ist. Wenn man mir die Wahl lässt, bin ich gerne ein freundlicher Mensch. Wenn nicht, tue auch ich, was getan werden muss. Allerdings nach Möglichkeit ohne allzu viel inneren Groll. Ohne zu glauben, dass die Situation nicht so sein sollte, wie sie ist. Zugegeben manchmal verdammt schwer.

Ein Unrecht zu tolerieren hat nichts Heiliges. Aus der Überzeugung, dass jede Situation ein Geschenk bereithält (auch und besonders die scheinbar Negativen) abzuleiten, dass wir nicht gefordert sind, etwas gegen Missstände zu unternehmen, wäre nicht nur falsch verstanden, sondern blanker Hohn und oft verantwortungslos bis Menschen verachtend.

Es ist jedoch möglich zu tun, was eine Situation auf der äußeren Ebene von uns verlangt, ohne innerlich überzeugt sein zu müssen, dass sie nicht sein sollte, wie sie nun mal ist. Das trägt nämlich nichts zur Verbesserung bei. Gar nichts! Im Gegenteil. Leiden entsteht dort, wo wir im Widerstand sind zu dem, was sich zeigt.

Jede Situation gibt uns mindestens die Gelegenheit, uns von unserer besten Seite zu zeigen. Uns weiterzuentwickeln. Manche mehr als andere.

Als Menschen leben wir in zwei Welten. Der Physischen und der Geistigen. Mindestens. Für jede gelten unterschiedliche Gesetzmäßigkeiten. Selbst Jesus soll gesagt haben:

„[…]So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist!“*Lukas 20,25

Durch diese Sichtweise lösen sich viele unserer situationsbedingten Unsicherheiten auf. Oder entstehen erst gar nicht.

Mittlerweile habe ich neue Nachbarn

Und sie sind wundervoll! Hilfsbereit, freundlich, sympathisch, zuvorkommend, kommunikativ, einfach nur toll. Hätte ich nicht besser aus einem Katalog bestellen können, wenn es sowas gäbe.

Natürlich kann das alles Zufall sein. Nach dem berühmten blinden Huhn, dass auch mal ein Korn (oder Premium Nachbarn) findet. Oder den dicksten Bauern, die die dümmsten Kartoffeln haben.

ODER ABER: Es ist die natürliche Konsequenz daraus, dass ich mittlerweile reif bin für wundervolle Nachbarn. Vorher war ich es offensichtlich nicht, weil es da noch etwas zu lernen gab. Über Nachbarn und vor allem über mich selbst. Jetzt bin ich es. Ebenso offensichtlich. Wäre ich es nicht, würde etwas in mir neues Drama erschaffen.

Das tut es aber nicht. Dafür aber viel Harmonie und sonnenwarme menschliche Nähe. Denn ich habe zum Glück doch noch die Kurve gekriegt und das Geschenk angenommen, das mir die Situation mit Arschibald damals angeboten hat.

Danke, Arschibald, für meine wundervollen neuen Nachbarn. Ich wünsche Dir ebensolche – wenn die Zeit dafür reif ist.

Was ich Dir mit diesem Text aber eigentlich nur sagen wollte, lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Veränderung wächst von innen nach außen

So isses!

Solltest Du sie nicht bereits haben, wünsche ich Dir ebenfalls traumhafte Nachbarn. (Nur nicht meine, die möchte ich gerne behalten).

Wenn die Zeit reif ist. Sonst würde Dir nämlich eine wertvolle Gelegenheit entgehen. Gilt übrigens nicht nur für Nachbarn, aber das hast Du Dir selbst schon gedacht.

PS: Das Buddha-Beet auf dem Beitragsbild oben war das Erste, das wir hier im neuen Heim umgesetzt / angelegt haben. Es ziert nun den Eingangsbereich und erinnert mich immer wieder an so vieles. Jedes Mal, wenn ich nun den Müll raus bringe beispielsweise, kann ich hinterher ganz ehrlich berichten:

„Ich habe den Buddha gesehen und er hat mich daran erinnert, dass in Nachbarn mehr steckt, als man auf den ersten Blick erkennen kann.“

Aus dem Shop:

E-Book: Wie man die richtigen Entscheidungen trifftSelbstwertgefühl stärken

 

 

 

 

 

 

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2 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    der Grund meines baldigen Umzugs ist tatsächlich meine Wohnungsnachbarin hier im Haus.Sie wohnt über mir.Sie nahm wohl an das wir Freundinnen werden und ich nur für sie da bin.Das hatte zur Folge,dass sie mindestens 5-10 mal am Tag anrief oder mich hochzitierte. Da ich aber genug eigene Probleme habe war ich völlig überfordert.Ich schrieb ihr einen lieben Brief aus der Klinik,in der ich jedes Jahr eine Interwalltherapie mache, und habe versucht ihr zu erklären ,dass ich das nicht kann und auch keine Kraft habe.Ich merkte natürlich auch schon in den ersten Minuten,dass wir nicht zusammen passen.Sie ist sehr dominant und sprunghaft in ihrer emotionalität.Es gab dann mehrere Situationen in denen sie mich anschrie und auch danach versuchte ich all meinen Mut zusammen zu kratzen und ihr zu sagen wie das bei mir ankam.Die Antwort : ach du..was du wieder so hörst..du weißt doch wie ich bin…ok,danach wusste ich woran ich war.Aber es brodelte in mir und weil das Haus auch noch seeeehr hellhörig ist bekam ich richtig Probleme mit meinem eigenen Gemüt.Ich höre sie schnarchen und sie hält mich mit ihrer Nachtaktivität seid 1,5 Jahren Nachts wach.Ich erwisch mich auch jetzt immer wieder bei Ausdrücken und Schimpfwörter die keiner hören will.Ich hab mit mir selbst geredet und mich immer wieder überprüft und hingeschaut was das alles in mir auslöst.Bei mir bleiben war die Devise, da ich mich aber immer wieder dabei erwischte nicht mehr mich frei zu bewegen in meiner Wohnung weil sie ja auch hört was ich mache und ich sogar das Licht nicht mehr anmachte damit keiner sieht das ich zuhause bin war es für mich Zeit was anderes zu suchen.
    Daraus gelernt hab ich,dass ich trotz Angst und Panik Dinge ansprechen muss und das ich ab einem bestimmten Zeitpunkt für mich sorgen muss.Kein Mensch ist durch und durch schlecht .
    Habe mir auch die Frage gestellt warum bekomme ich schon wieder so einen Egozentrischen Menschen vorgesetzt.Wahrscheinlich weil ich damit nicht umgehn kann,sonst wäre es ja kein Problem oder?

    Ich musste so lachen bei „Arschibaldi“ Danke für Deine Ausführung.Du machst Dir viel Mühe.

    • Hallo Marion,

      das ist ja eine wahre Horrorstory. Ich kann gut nachempfinden, dass Dich das auf die Palme gebracht hat. Hinein zu spüren, was das Ganze mit einem Selbst zu tun hat, impliziert ja nicht, dass man die Situation auch bis zum bitteren Ende durchhalten muss. Ich finde es nur wichtig, dass man nicht nur flieht, sondern sich parallel dazu ansieht, wie man zur Erschaffung und Aufrechterhaltung einer solchen Situation evtl. beigetragen hat. Gerade, wenn man es nicht das erste Mal erlebt. Um die Chance zu nutzen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sowas in Zukunft möglichst nicht mehr passiert. Das scheinst Du alles getan zu haben, daher bin ich sehr zuversichtlich, dass es an Deinem neuen Wohnort ebenfalls ruhiger für Dich wird. Ich wünsche es Dir jedenfalls von Herzen.

      Ganz liebe Grüße,
      Andreas

      PS: Schön, dass Du gelacht hast. 🙂

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