Wie Du aufhörst, anders sein zu wollen (in 5 Minuten)

Es sollte alles anders sein - Wie unsere Gedanken uns das Leben verhageln

„Man sollte schon deshalb kein langes Gesicht machen, weil man dann mehr zu rasieren hat.“
Fernandel

Okay, wenn Du es als Frau liest, hinkt das Zitat zugegebenermaßen. Jedenfalls wünsche ich Dir, dass es so ist. Aber hier geht es nicht um Männer- oder Damenbärte, sondern um die Ich-sollte-anders-sein-Falle.

Die betrifft nämlich sowohl Frauen als auch Männer. Mit Bart und ohne. Sie gaukelt uns vor, wenn dies und jenes an uns anders wäre, wäre alles besser. Paradies. Nirvana. Ewige Glückseeligkeit.

Ich sollte …

  • der Held vom Erdbeerfeld sein
  • in feinstem Oxford Englisch brillieren
  • einen ganzen Big Mac unzerkaut auf einmal schlucken können
  • unfehlbar sein
  • und hätte ich doch nur nicht so eine grüne Nase

… dann wär‘ ja alles gut. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Mag ja auch wirklich sein, dass dann alles gut wäre. Aber so ist es nun mal nicht. Wir leben in keiner paradiesischen Welt. Es wird immer irgendwo ein Sollte, Müsste oder Dürfte aus dem Gebüsch springen, egal wie unwiderstehlich und gottähnlich wir bereits sind.

Im Grunde haben wir es mit einem uralten Motivationsmechanismus zu tun. Irgendeine Synapse in unserem gigantischen Hirn glaubt ernsthaft, dass wir auf diese Weise dazu zu bewegen wären, die Ursache der Frustration zu beseitigen und „besser“ zu werden.

Du ahnst sicher schon, dass der Überzeugung, besser werden zu müssen, meist der Glaubenssatz zugrunde liegt, in unserer aktuellen Ausgabe nicht zu genügen.

„Ich sollte nicht so ein plüschiger Schwibbel-Schwabbel sein.“

„Ach so! Dann mal ab ins Fitnessstudio.“

Klappt im bösen Alltag selten dauerhaft. Das wahrscheinlichere Resultat ist, dass wir uns abwerten und mies fühlen. Wieder einmal.

Der schädliche Gebrauch von Sollte-, Müsste,-Dürfte- Stoff kann Ihr Selbstwertgefühl nachhaltig schädigen. Bitte konsultieren Sie vor Gebrauch Ihren Psycho-Verdreher.

Heute klebt doch auf allem ein Sicherheitshinweis. Warum denn nicht auch auf dem wirklich wichtigen Zeug?

Die Ich-sollte-anders-sein-Falle hat Verbündete. Sie heißen unpassende Vergleiche und unrealistische Maßstäbe.

Unpassende Vergleiche und unrealistische Maßstäbe

Supermann kann fliegen und ist kugelsicher. Batman sieht aus wie eine Fledermaus und hat diesen irren Bass in der Stimme. Und ich?

Frustrierend.

Aber Moment mal. Klar würde ich gerne fliegen können oder aussehen wie eine coole Fledermaus. Wär‘ doch nett. Nur unterscheidet sich das Leben von Superman und Batman in einigen unbedeutenden Punkten von meinem.

Ich bin Coach und Persönlichkeitstrainer (das Wort macht mir immer noch keinen Spaß). Ich bin zwar mal einem Fahrraddieb hinterher gelaufen (ziemlich erfolglos übrigens), aber sonst habe ich im Alltag selten mit Ganoven zu tun.

Worauf ich hinaus möchte? Kugelsicher zu sein oder fliegen zu können macht für Superhelden durchaus Sinn. In meinem Leben hätte ich eher wenig Verwendung dafür.

Bevor wir uns also mies fühlen, weil wir nicht so gut kochen können wie Jamie Oliver, sollten wir uns fragen, ob es für das Leben wie wir es führen, überhaupt eine nennenswerte Bedeutung hat.

Wir müssen nicht alles perfekt können und jedem, der in irgendwas besser ist, nacheifern. Manchmal ist ehrliche Bewunderung aus der Ferne völlig ausreichend. Und deutlich weniger stressig.

Gedanken auf Autopilot

Selbstverständlich tun sich das nur wenige freiwillig an. Die meiste Zeit laufen unsere Hirnwindungen auf Automatik.

Der Psychologe Albert Ellis* hat ein ebenso simples wie einleuchtendes Modell gezeichnet, das erklärt, wie wir von einem Ereignis über innere Bewertungsprozesse schließlich zu einem Ergebnis kommen:

ABC-Schema-Albert-Ellis

Dabei bedeutet:

A = activating experiences. Aktivierende Erfahrungen, auf Deutsch. Das sind die prägenden Kindheitserlebnisse, Traumata, usw. die wir für unsere heutigen negativen Gefühle verantwortlich machen.

B = beliefs. Annahmen und Glaubenssätze. Unsere inneren Verarbeitungsprozesse. Das Selbstgespräch im inneren Dialog, mit dem wir uns unsere irrationalen Annahmen bestätigen und uns selbst erklären, warum wir und die Welt so sind, wie wir sind.

C = consequences. Die Konsequenzen. Als Ergebnis fühlen wir uns mies, entwickeln neurotische Symptome oder ein schwaches Selbstwertgefühl. Die Liste ist lang.

Normalerweise sind wir geneigt zu glauben, dass A (unsere ursprünglichen Erfahrungen) direkt C (unsere psychischen Einschränkungen) erzeugt. Nach Ellis – und da bin ich ganz bei ihm – liegt der Schwerpunkt jedoch auf B (die Art, wie wir A innerlich verarbeiten).

Das ist dann unser Gedankenautomat, der immer wieder dasselbe Zeug in einer Endlosschleife abspielt und uns so erklärt, dass die Welt so ist, wie sie ist.

Schön und gut. Und was machen wir jetzt damit?

Ellis hat seinem ABC-Schema noch die Punkte D und E hinzugefügt. Dabei steht D (dispute) dafür, die ursprünglichen irrationalen Annahmen (Punkt B) anzufechten, damit man die positiven Effekte (E für effects) von geerdeten und rationalen Annahmen erfahren kann.

Weniger technisch ausgedrückt geht es darum, den Realitätsbezug unserer ungeprüften Annahmen herzustellen und das Ganze auf ein gesundes Maß zu bringen, sodass wir wieder handlungsfähig werden.

Ein Beispiel:

In meiner Kindheit musste ich wiederholt erleben, wie man mir nicht zugehört hat (A). Daraus habe ich unreflektiert geschlossen, dass ich wohl langweilig bin und nichts Interessantes zu erzählen habe (B). Als Konsequenz halte ich mich heute in Gesprächsrunden extrem zurück, obwohl ich oft zum Thema wertvolle Beiträge leisten könnte (C).

Im nächsten Schritt (D) könnte ich meine Annahmen von (B) nun kritisch hinterfragen. Ich kann danach Ausschau halten, wo ich:

  1. positive Gegenbeispiele ignoriere
  2. Negatives übertreibe
  3. zu stark verallgemeinere.

Auf diese Weise stutze ich mein (B) auf ein gesundes Maß zurecht und zeichne ein realistischeres Bild meiner selbst.

„Ja, manchmal erzähle ich richtigen Stuss. Ganz oft habe ich jedoch wirklich etwas Wichtiges zu sagen.“

Und plötzlich habe ich ein menschliches Maß. Mal gut, mal nicht so gut. Menschlich eben.

Der Effekt (E) ist im Idealfall, dass ich mich in Zukunft freier mit Beiträgen einbringen und mich wohlfühlen kann, wenn ich sage, was ich zu sagen habe.

Und bei Dir so? Wo gehst Du mit Dir viel zu hart ins Gericht? Verlangst Unrealistisches, Unmögliches und nicht Sinnvolles von Dir? Wo misst Du Dich mit Superhelden, bewertest Deine Schwächen über und ignorierst Deine Stärken? Oder kennst Du sowas nur von anderen?

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Titel-Photo: pixabay.com
Lizenz: CCO Public Domain
Fotograf: aunhtet0

Weiterführende Literatur:

*“Rational-Emotive-Verhaltenstherapie“, Albert Ellis, Catharine McLaren, Junfermann Verlag, 1. Auflage Dezember 2014
*“Grundlagen und Methoden der Rational-Emotiven-Verhaltenstherapie“, Albert Ellis, Klett-Cotta Verlag, 2. Auflage September 2008
*“Vernunft und Emotion: Die Ellis-Methode – Vernunft einsetzen, sich gut fühlen, mehr im Leben erreichen“, Dieter Schwartz, Albert Ellis (Vorwort), Borgmann Publishing, 7. Auflage Juli 2014
*“Coach dich! Rationales Effektivitäts-Training zur Überwindung emotionaler Blockaden“, Albert Ellis, Petra Jacobi, Dieter Schwartz, Hemmer / Wüst Verlagsgesellschaft mbH, 1. Auflage 2004
*“Training der Gefühle: Wie Sie sich hartnäckig weigern, unglücklich zu sein“, Albert Ellis, MVG Verlag, 1. aktualisierte und erweiterte Neuaufflage Juli 2006

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